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Full text of "Eine Reise in das Innere der Insel Formosa und die erste Besteigung des Niitakayama (Mount Morrison), Weihnachten 1898"

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Eine Reise in das Innere der insel 
Formosa und die erste ... 

Karl Theodor Stöpel 



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ÜBERREICHT 



Deutschen Wissenschaftlichen Verein 



BUENOS AIRES 



Dr. K. Th. STÖPEL 



Eine Reise in das Innere der Insel Formosa 

rnid die erste Besteigung 
des Niitakayama (Mount Morrison) 



WEIHNACHTEN 1898. 



IP 



BUENOS AIRES 

COMPAflfA SUD-AMERICANA DE BILLETES DE BANCO 
CaUes Chile, 263 y CangaJlo, 557-59 

1905 



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Eine Reise in das Innere der Insel Formosa 

und die erste Besteigung 

des Niitakayama (Mount Morrison) 



Der russisch-japanische Land-und Seekrieg, der mehr 
als ein Jahr im fernen Osten Asiens wütete, hat das allge- 
meine Interesse für die dortigen Verhältnisse von Neuem 
mächtig angefacht. 

Jede europäische Nation, welche ihre Lebensfähigkeit 
durch Expansionskraft im internationalen Handelsverkehr 
beweist, findet daselbst ein ausgedehntes Gebiet von gros- 
sem Reichtum, dessen Bewohner infolge ihrer Abge- 
schlossenheit und eigenartigen Kultur mit den Europäern 
nur wenig in engere Beziehungen getreten sind und dessen 
Erschliessung sowohl in politischer wie in wirtschaftlicher 
Hinsicht von der grössten Bedeutung sein wird. 

Interesse voraussetzen darf daher ein Thema, welches auf 
eigenen Anschauungen beruht und zum Teil ein noch 
unerschlossenes Gebiet behandelt, in welchem neben mon- 
golischen auch malayische Völkertypen auftreten, die seit 
langer Zeit in der wissenschaftlichen Welt das grösste In- 
teresse erregten. 

Die Umwandlungen in der japanischen Volks-und Staats- 
wirtschaft der letzten Jahrzehnte bedeuten für Japan ein 
neues Zeitalter. 

Zwei und ein halb Jahrhundert hindurch entbehrte 
dieses Land eines politischen Systems. Der Absperrung 



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_ 6 - 

nach aussen und dem Despotismus im Inneren ist mit der 
sogenannten Restaurationszeit im Jahre 1868 eine Neue- 
rungssucht gefolgt, die sich auf allen Gebieten des politi- 
schen und wirtschaftlichen Lebens abspielt. Mit vulkani- 
scher Gewalt hat sich das stark entwickelte Temperament 
des Japaners Bahn gebrochen. Bei genauer Beobachtung 
finden wir in dieser neuen Entwicklungsperiode neben dem 
Altüberkommenen oft das Neuangenommene in krassem 
Widerspruch. Die höheren Klassen des japanischen Vol- 
kes, wozu auch der alte Samurai-oder Adelsstand gehört, 
beherrschen mit ihren Anschauungen und ihren Idealen 
das öffentliche Leben. Dieser Stand hat auf seine bisheri- 
gen politischen Vorrechte freiwillig Verzicht geleistet und 
sie dem Mikado als höchste Staatsgewalt allein überlassen. 
Es ist eine irrige Ansicht, wenn man glauben wollte, 
dass der Japaner nun in der kurzen Zeit von kaum 40 Jah- 
ren europäisiert worden sei. Im Gegenteil, im täglichen 
Leben, in der Familie, zu Hause, in seinen Sitten und Ge- 
bräuchen, in seiner Religion, seinen Weltanschauungen, in 
seinen Vergnügungen, in seiner Kunst, fast überall ist er 
seiner alten Kultur treu geblieben. Der momentane Ent- 
wicklungsprozess Japans wurde nur für die wirtschaftlichen 
und sozialen Verhältnisse durch die Berührung mit der 
Aussenwelt hervorgerufen, keineswegs war es ein blosses 
Nachahmen Europas. Hierzu kommt noch das brennende 
Verlangen Japans, unter den übrigen Kulturvölkern der 
Welt gleichberechtigt dazustehen. Es ist nur di e Einheit- 
lichkeit seiner Kultur gegenüber der russischen, die un- 
serem neuerstandenen, ostasiatischen Konkurrenten zum 
ersten Male zum Siege über eine europäische Macht ver- 
holfen hat. Stolz erhebt sich im fernen Osten Asiens die 
japanische Sonne über den an der koreanischen Strasse 
bei Tsu-shima erloschenen Stern russischer Macht. 

Während meines Aufenthaltes in Japan in den Jahren 
1897-1899 unternahm ich auch eine Reise nach der Insel 
Formosa, um dort Land und Leute aus eigener Anschau- 
ung kennen zu lernen. Diese Insel hat in ihrem bisherigen 



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- 7 — 

Entwicklungsgange in der Geschichte schon eine grosse 
Rolle gespielt und dies wird, wegen ihrer günstigen geogra- 
phischen Lage auch in Zukunft der Fall sein. 

In früherer Zeit waren es die Portugiesen, Spanier, Hol- 
länder und Chinesen, welche dieses äusserst fruchtbare 
Land besetzt hielten. Zuletzt im tonkinesischen Feldzuge, 
Mitte der 80er Jahre, waren es die Franzosen, welche aus 
dieser Insel eine französische Kolonie zu machen wünsch- 
ten, bis sie endlich nach. Beendigung des japanisch-chine- 
sischen Krieges in den Jahren 1894/95 dem Sieger als 
Kampfpreis zufiel und heute einen Teil des japanischen 
Reiches bildet. 

Sowohl in strategischer, wie in komerzieller Beziehung 
giebt es keine zweite Insel, die so günstig gelegen ist wie 
Formosa. Wie ein Blick auf die Karte zeigt, bildet sie, auf 
dem Wege zwischen Nord-und Südchina gelegen, einerseits 
einen Ruhepunkt für den Handel, andrerseits wird sie bei 
kriegerischen Veranlassungen der japanischen Kriegsflotte 
einen Halt und eine Operationsbasis gewähren gegen alle 
Angriffe, die von europäischen Staaten von Süden aus 
erfolgen. 

Aber auch das Land als solches bildet einen Besitz von 
nicht zu unterschätzendem Werte und seine Vorzüge werden 
aus den folgenden Zeilen noch deutlicher hervorgehen. 

Ich werde zunächst auf die Einzelheiten der geographi- 
schen Bedingungen, unter denen sich Formosa befindet, 
eingehen, dann einen kurzen geschichtlichen Abriss geben 
und zum Schlusss über meine eigene Expedition in das 
Innere der Insel berichten. 

Formosa, einschliesslich der Pescadores und der angren- 
zenden Inselchen, hat einen Flächenraum von 34,980 qkm., 
ist also etwa so gross wie das Königreich Sachsen und 
Württemberg zusammengenommen. Die Bevölkerung be- 
läuft sich auf annähernd drei Millionen, darunter 2 3 /4 
Millionen Chinesen, 30.000 Japaner und schätzungsweise 
200.000 Wilde. Seitdem sich die Insel in japanischem Besitz 
befindet, ist die Bevölkerungszahl in starkem Wachstum 
begriffen. 



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— 8 — 

Was die Kenntnisse über Formosa im Allgemeinen be- 
trifft, so sind dieselben noch recht dürftig und unzuverlässig. 
Viel ist zwar von den christlichen Missionaren zur Aufhel- 
lung des Dunkels, welches über der Insel ruht, gethan 
worden; aber gerade für exacte wissenschaftliche Studien 
ist hier noch ein weites Feld. Aufs wärmste anzuerkennen- 
de Erfolge hatte der vor einigen Jahren verstorbene eng- 
lische Missionar Dr. Mc. Kay. 

Formosa ist eine kontinentale Insel, d. h. sie liegt mit auf 
dem sogenannten Festlandsockel und wurde erst in ver- 
hältnismässig junger geologischer Vergangenheit, nämlich 
während des Tertiärs durch Absinken des dazwischenlie- 
genden Landes von dem Kontinente getrennt. Ein solches 
Absinken fand damals entlang der ganzen Küste Ostasiens 
statt und zwar beginnend mit der Südspitze von Kamschat- 
ka und entlang der Kurilen, Japan, Liukiu, den Philippinen, 
Borneo und Sumatra. 

Formosa liegt gerade in der Mitte dieser Linie, welche 
einst die Ostgrenze des asiatischen Kontinents bildete. Das 
Ochotskische, das Japanische, das Gelbe und das Chinesi- 
sche Meer, mit der sogenannten Fukien — oder Formosa— 
Strasse sind in damaliger Zeit entstanden uud bedecken 
jetzt die abgesunkenen Landgebiete. Mit dem Festlande 
ist Formosa noch durch eine unterirdische Bank verbun- 
den, die nur 600 m. tief ist, während nach dem Ocean zu die 
Tiefe bis auf 6000 m. und mehr bis zu den noch unerforsch- 
ten Tiefen des Grossen Oceans hinabreicht. 

Durch eine derartige Erdbewegung ist also Formosa 
entstanden und nach den vorhandenen Anzeichen muss es 
sich dabei um eine geringe Niveauverschiebnng bis zu 
600 m. handeln, denn während dieser Periode bauten die 
Korallentiere auf ihrer Oberfläche eine Bank von beträcht- 
licher Ausdehnung. Dann erfolgte eine plötzliche Erhe- 
bung und unter vulkanischen Ausbrüchen trat Formosa an 
das Licht des Tages. Die Korallen wurden bis auf die 
Bergspitzen emporgehoben und dann in gewaltigen Massen 
herunterstürzend, an den Seiten abgelagert. Schwere Re- 
gengüsse und peitschende Stürme führten sie als Trümmer 



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• _ 9 - 

hinunter zum Meere. Noch in einer Höhe von 600 m- werden 
Ueberreste gefunden, die zusammen mit den Korallenriffen, 
die unter Wasser rings um die Küste ausgebreitet sind, die 
Bewegungen und Veränderungen in vorhistorischer Zeit 
bezeugen. 

Im einzelnen die geologische Bildung der Insel zu schil- 
dern will ich mir versagen, schon deshalb, weil wir viel- 
fach nur ungenau darüber unterrichtet sind; nur in grossen 
Zügen soll das Bild entworfen werden. Die vulkanische 
Tätigkeit hat, wie gleich von vornherein bemerkt sein 
mag, bei dem Aufbau der Insel eine geringe Bedeutung. 
Nur vereinzelt sind derartige Ausbrüche erfolgt und immer 
nur lokaler Natur gewesen. So haben wir in Nord-Formosa 
einen längst erloschenen Vulkan, den sogenannten Vul- 
kanberg und wenige Meilen von Taipeh entfernt, eine 
Anzahl Schwefelquellen, die von den Japanern in primitiver 
Weise ausgebeutet werden. Auch die Gewinnung der 
Kohle und des Petroleums geschieht vorerst nur in kleinen 
Betrieben. Gegen die mächtige Produktion von Amerika 
und Südeuropa kann sie selbstverständlich nicht kon- 
kurrieren und bilden diese natürlichen Reichtümer des 
Bodens daher keinen nennenswerten Exportartikel. 

Der Gebirgsrücken, welcher die länglich gestreckte Insel 
in der Längsrichtung und zwar mehr am Ostrande durch- 
zieht, wird der Hauptsache nach aus Schiefer und den 
verschiedenartigsten Gesteinen gebildet. Auf der Nord- 
Nordost und Westseite giebt es eisenthon-und kieselhalti- 
ge Sandsteine, untermischt mit kohlenführendem Quarz. 
Die östlich vorspringenden Klippen lassen schön geformte 
Gneiss-und Grauwackensteine erkennen. Gold wird vor- 
läufig nur im Norden planmässig ausgebeutet. Seine Gewin- 
nungsstätten sind Regierungsdomänen, die verpachtet sind. 
Dieses Edelmetall findet sich in Gärigen im Gestein der süd- 
östlich von Kilung gelegenen hohen Berge der Nordküste 
Formosas und im Sande des Kilungflusses. Der nach einge- 
zogenen Erkundigungen zwar nicht besonders gewinn- 
bringende Bergwerksbetrieb ist auch anderen Orts in 
jüngster Zeit z. B. an der Ostküste, an der Mündung des 



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Karenko-und Pinanflusses eröffnet worden. Die Goldwä- 
scherei in diesen Flüssen geschieht mittels Handarbeit 
durch die Chinesen, während im Gebirge zwei Bergwerke 
von den Japanern betrieben werden, deren Anlagen jedoch 
zu klein sind und sich erst rentieren werden, wenn sich die 
japanische Regierung entschliesst, durch Heranziehung von 
ausländischem Kapital in grösserem Stile das Ausbeuten 
der in Frage kommenden Flüsse zu betreiben. 

Während einer Fahrt längs der Ostküste bemerkt man, 
wie das Gebirge unmittelbar an die Küste herantritt. Als 
höchste Erhebung finden wir hier, fast unter dem Wende- 
kreis des Krebses gelegen noch 40 km. von der Ostküste 
entfernt, den von mir am 2. Weihnachtsfeiertage 1898 bis 
zur höchsten Erhebung zuerst bestiegenen 4050m hohen 
Mt. Morrison, so benannt nach einem englischen Schiffska- 
pitän, der ihn vor etwa 100 Jahren erwähnte. Die Japaner 
nennen ihn jetzt «Niitakayama», d. h. der «neue hohe Berg». 

Im Norden haben wir einen bis jetzt noch unbestiegenen 
Berg, den Mt. Silvia, 3700 m. hoch. Die nach Westen zu 
vorgelagerten Berge des Hauptgebirgsstockes sind bedeu- 
tend niedriger und haben eine durchschnittliche Höhe 
von 1000-3000 m. 

Bei meiner Expedition nach dem Mt. Morrison ist es mir 
geglückt, in einem Gebiete, das bis jetzt als unerforscht 
galt, noch bedeutende Erhebungen von durchschnittlicher 
Höhe von 3500 m. zu konstatieren. Diese Berge, etwa 10 an 
der Zahl, führen die Namen der an ihren Abhängen woh- 
nenden Wildenstämme, die der Kopfjagd obliegen, woraut 
ich noch ausführlich weiter unten zurückkommem werde 

Dem grösseren gebirgigen Teil Formosas ist im Westen 
eine breite fruchtbare Ebene vorgelagert, die aus dem 
Tertiär stammt. Diese geographisch begründete Zweitei- 
lung der Insel muss man auch für das Verständniss des 
Kulturlebens der Bevölkerung im Auge behalten und sie 
ist hier von wesentlicher Bedeutung. Denn das östliche 
Gebiet, ein wildes schwer zugängliches Gebirgsland, steht 
der westlichen Ebene gegenüber, welche zu betriebsamen 
Ackerbau einladet. Auch in ethnischer Beziehung ist hier 



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ein Gegensatz, denn in dem gebirgigen Osten finden sich, 
wie schon erwähnt, noch die wilden malayischen Urein- 
wohner, während sich in der Ebene die Chinesen mit ihren 
verschiedenen Mischstämmen und Abzweigungen nieder- 
gelassen haben. In diesem Gegensatze hat sich auch die 
ganze, innere Geschichte Formosas abgespielt und dieser 
ist noch jetzt von Bedeutung. Darum darf ich wohl nun 
etwas auf die Geschichte der Insel eingehen. 

Als Geschichtsschreiber Formosas müssen wir wohl 
einen Deutschen, Professor Dr. Ludwig Riess, bezeichnen, 
der zuletzt an der japanischen Universität in Tokio tätig 
war. In den Mitteilungen der deutschen Gesellschaft für 
Natur-und Völkerkunde Ostasiens <*> hat er in sehr gedräng- 
ter und sachlicher Weise im Gegensatz zu anderen Auto- 
ren, die ich dabei im Auge habe und welche diese Gele- 
genheit niemals vorübergehen lassen können, ohne die 
unglaublichsten Räubergeschichten zu erzählen, eine Dar- 
stellung der Geschichte von Formosa gegeben, die von kriti- 
schem Geist zeugt und der ich mich nur anschliessen kann. 

In der ältesten Zeit haben die Chinesen die heutigen 
Riukiu- Inseln, nordöstlich von Formosa gelegen, und For- 
mosa selbst unter dem Gesamtnamen Riukiu zusammenge- 
fasst. Diese merkwürdige Tatsache, dass sie die ihnen nur 
bekannte West- und Nordküste Formosas nicht etwa mit 
den benachbarten Pescadores, sondern mit den entfernten 
Riukiu-Inseln, deren nächste 70 Seemeilen entfernt liegt, 
zusammen mit Riukiu bezeichneten, erklärt sich daher, 
dass sie in der Periode vor 600 n. Chr. dort in Formosa ein 
Volk vorfanden, das von den nördlichen Inseln gekommen, 
sich des Zusammenhanges mit den zurückgebliebenen Be- 
wohnern des Archipels noch bewusst war und sich selbst 
Riukiu oder so ähnlich nannte. Von dieser Tatsache aus- 
gehend sowie durch gewichtige Gründe bewogen ist man 
nun zu der Annahme gelangt, dass sich Einwohner der 
heutigen Riukiu Inseln in früherer Zeit, von Norden her- 
kommend, im Norden der Insel angesiedelt und allmählich 
die ganze Insel in Besitz genommen haben. Ueber die Be- 

(1). Siehe Band VI Seite 406 u. f. 



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schaffenheit dieser Ureinwohner lässt sich aus damaliger 
Zeit nichts bestimmtes sagen: ob es Negritos oder sonst 
was gewesen sind, man weiss es nicht. Sie standen mit den 
Chinesen in Beziehung und bezahlten an den chinesischen 
Kaiser Tribut. Dann kamen in der zweiten Hälfte des 6. 
Jahrhunderts n. Chr. von Süden her Scharen von uncivili- 
sierten Malayen auf ihren primitiven Bambusflössen nach 
der Insel und brachten durch ihre Eroberungsztige die 
ganze Ebene des Westens in ihre Gewalt. Als die Chinesen 
605 n. Chr. zur Wiederherstellung der abgebrochenen Be- 
ziehungen auf der Insel landeten, fanden sie Westformosa 
bereits im Besitze der Malayen, welche es erobert und die 
alten Ureinwohner teils vernichtet, teils in die Berge ge- 
drängt hatten, wo diese allmählich ausgestorben sind. Mit 
den letzten Resten derselben hatten es die Holländer zu 
thun. Mehrere Versuche der Chinesen zur Eroberung der 
Insel schlugen fehl, und infolgedessen wurde diese nachher 
ganz sich selber überlassen. Die neuen Herren, die Mala- 
yen, waren, wie noch heute, in Clans eingeteilt, die sich im 
gegenseitigen Kampfe um ihre Jagdgründe befinden. In 
dieser Zeit der Isolierung, also in den Jahren 600-1000, sind 
nun die Malayen im Zusammenhange mit der Annahme 
des Reisbaues, den sie hier kennen lernten, zur Sesshaftig- 
keit übergegangen. Der Zuzug malayischer Ansiedler 
muss aber, nachdem er einige Zeit in grossartigem Massta- 
be fortdauerte, doch sehr früh unterbrochen worden sein. 
Den Formosanern war später selbst die Tradition der 
Herkunft vom Süden abhanden gekommen. Solche See- 
räuber, wie die südlichen Malayen, sind die Formosaner 
wegen ihrer primitiven Schiffstechnik nie gewesen. 

Abgesehen von einem vereinzelten Ueberfall der chine- 
sischen Provinz Fukien in der 2ten Hälfte des 12. Jahrhun- 
derts, schlugen alle Eroberungsgelüste der Chinesen auf 
Formosa fehl. Aber eine chinesische Völkerschaft war es 
doch, welche schon in damaliger Zeit festen Fuss fasste. 
Die heimatlosen Hakkas waren im kontinentalen China 
umherziehende Händler und Industrielle, die nicht wussten, 
wo sie herstammten und wo ihre Väter begraben waren. 



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Deshalb verfielen sie der Verachtung der auf ihre gefestig- 
ten Familienbeziehungen so stolzen Chinesen und konnten 
die Konkurrenz mit den heimatberechtigten Händlern und 
Handwerkern nicht mehr aufnehmen. Sie wanderten daher 
in grosser Zahl nach Formosa hinüber, wo sie sich als 
Ackerbauer, Schmiede, Kaufleute eine bessere Existenz 
schufen. Ihrer bedienten sich später die Holländer als 
Dolmetscher im Verkehr mit den einheimischen Häupt- 
lingen. 

In dieser Zeit wurde Formosa auch ein Hauptsitz der 
Seeräuber. Vor allem der Hafen Kilung bot ihnen eine 
bequeme und sichere Zuflucht und von hier aus überfielen 
sie die Handelsdschunken, welche vorbeifuhren. Die gefähr- 
lichsten unter diesen Piraten waren die Japaner, mit denen 
vom Kaiser von China aller direkter Handel verboten wur- 
de. Deshalb musste sich der Verkehr über die neutralen 
Märkte erstrecken und unter diesen war Formosa von der 
grössten Bedeutung. 

Nun begann die Zeit des 16. Jahrhunderts und mit ihm 
kamen auch die Europäer nach der Insel, zuerst die Portu- 
giesen, welche der Insel ihren Namen gegeben haben: «Ilha 
Formosa» d. h. «die schöne Insel». Durch die Nachrichten 
der Jesuiten haben wir auch Kunde von einem ersten Ver- 
such der Japaner in dieser Zeit die Insel zu erobern, und 
zwar geschah dies unter dem japanischen Anführer Iyeyasu 
im Jahre 1609. Aber dieser wie auch die späteren Angriffe 
der Japaner in den nächsten Jahren blieben erfolglos. Mit 
dem Beginn des 17. Jahrhunderts kamen die Holländer in 
diese Gewässer und suchten nach einem geeigneten Stütz- 
punkt für ihren Handel mit China und Japan. Nachdem die 
geplante Ueberrumpelung von Macao misslungen und auch 
die schon eroberten Pescadores-Inseln aus Furcht vor 
einem chinesischem Rachezuge wieder aufgegeben waren, 
setzten sie sich 1624 in Taiwan auf Formosa fest, wo sie 
das Fort Zelandia errichteten, dessen Trümmer noch heute 
als Erinnerung an die holländische Herrschaft emporragen. 

Aber auch die Spanier brachten ihre Absichten auf for- 
mosanischen Besitz schnell zur Ausführung, indem sie 1626 



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— 14 — 

die Insel und den Hafen Kilung besetzten und ihre Herr- 
schaft bis westlich nach Tamsui ausdehnten. Doch diese 
spanische Besetzung war von untergeordneter Bedeutung, 
noch dazu, da sie schon seit 1642 den Holländern einge- 
räumt werden musste. Diese dehnten nämlich ihre Herr- 
schaft immer weiter aus, so dass sie auf dem Gipfel ihrer 
grössten Entfaltung 45 Stämme und 263 Dörfer umfasste. 
Mit der Handelsfreiheit auf Formosa war es seitdem natür- 
lich vorbei. Auf Weisung von Batavia, der Hauptstadt des 
niederländischen Kolonialreiches hin, spielte sich der hol- 
ländische Gouverneur energisch als Landesherr auf, 
schrieb Steuern aus, soweit seine Macht reichte und erhob 
hohe Zölle von allen ankommenden uad abgehenden Wa- 
ren. Hiergegen opponierten zwar die Japaner, die Haupt- 
vertreter des gewinnbringenden Handels in diesen Ge- 
wässern, doch alle Versuche von ihrer Seite, wobei die 
Gestalt des japanischen KapitainsHamada Yahei eine gros- 
se Rolle spielt, blieben erfolglos. v 

Für die Zwecke der Verwaltung teilten die Holländer 
das in Besitz genommene Gebiet in 7 sogenannte «Politi- 
ken», den Eingeborenen Hessen sie jedoch ihre kommunale 
Selbstverwaltung. Von der grössten Bedeutung für die Ge- 
winnung und Ueberwachung derselben waren die hollän- 
dischen Prediger, Krankenbesucher und Schulmeister, die 
ausser der Kunst des Lesens und Schreibens auch die Ele- 
mente der christlichen Religion lehrten. Den Hauptvorteil 
zog die holländisch-ostindische Kompagnie aus ihrem Han- 
del mit den Formosa besuchenden Händlern und aus ihrer 
eigenen Faktorei in Japan und zwar sollen sich diese Ge- 
winne auf mehrere 100000 Gulden belaufen haben. Dazu 
kamen die Einkünfte aus den Regalien und dem Kopfgeld, 
das die Chinesen zu zahlen hatten, ferner vervollständig- 
ten Einnahmen aus der Verpachtung der Jagd auf Hirsche 
und der Erlös aus dem Haifischfang das Budget der 
Kompagnie. Aber wenn die Holländer auch auf alle 
mögliche Weise Einkünfte aus der Kolonie zu holen 
suchten, so darf man andrerseits doch auch nicht verges- 
sen, was sie hier Gutes gestiftet und wie sie sich um die 



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Verbreiterung der Kultur verdient gemacht haben. Den 
Anbau von Reis und Zuckerrohr suchten sie zu heben und 
die Einführung des auf Formosa fehlenden Arbeitsviehs 
ist ihnen zu danken; noch heute lebt die Erinnerung an 
ihre wohlthätige Herrschaft im Gedächtnis der Eingebo- 
renen fort. 

Längere Zeit hatten sich die Holländer mit dön Seeräu- 
bern in der Strasse von Formosa gütlich geeinigt und sich 
mit ihnen in die reichlichen Erträgnisse von Handel und 
Seeraub geteilt. Als aber die Seeräuber, deren Anführer 
Koxinga war, unter der Mandschu— Dynastie aus China 
verdrängt wurden, kamen sie nach Formosa herüber, das 
sie mit Unterstützung der hier zahlreich angesiedelten 
Chinesen den Holländern leicht abnahmen. Die Hollän- 
disch-ostindische Kompagnie war nicht stark genug, um 
den Chinesen energischen Widerstand zu leisten. Aber so 
bald gaben die Holländer Formosa nicht auf. Sie verbün- 
deten sich mit den Mandschus, vernichteten die Flotte der 
Seeräuber und zerstörten deren Sitze auf dem Festlande. 
Aber aus Formosa konnte Koxinga nicht vertrieben wer- 
den und hier mussten die Holländer schliesslich doch wei- 
chen und das Fort Zelandia übergeben. Hier richtete sich 
Koxinga und nach seinem frühen Tode sein Sohn Cheng- 
Ching seine Herrschaft ein, wenn es auch mit dem alten 
Glanz seines Hauses, der hauptsächlich auf Handel und 
Seeraub beruht hatte, vorbei war. Schon der Enkel des ge- 
waltigen Seeräuberführers unterwarf sich freiwillig dem 
chinesischen Kaiser, indem er dadurch dessen auf Formo- 
sa gerichteten Eroberungsplänen zuvorkam. Seit 1683 
war Formosa ein nur unbedeutendes Glied des grossen 
chinesischen Reichskörpers. Die Chinesen schufen auf der 
Insel keine besondere Verwaltung, sondern stellten sie mit 
der festländischen Provinz Fukien- zusammen unter einen 
Vicekönig. Formosa selbst wurde in drei Verwaltungsbe- 
zirke geteilt; das oberste Civil-und Militärkommando über 
die ganze Insel lag in der Hand eines Gouverneurs, der in 
Tainan residierte. Empörung gegen die chinesische Ver- 
waltungspolitik und die Verzweiflungskriege der immer 



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— 16 - 

mehr in die Berge zurückgedrängten Eingeborenen gegen 
die Vergewaltigungen durch chinesische Beamte bilden 
seitdem bis zur Jetztzeit den Inhalt der Geschichte For- 
mosas. 

Als die Damplkraft der Maschinen den Verkehr in un- 
serer Zeit so ausserordentlich erleichtert hatte, trat Ost- 
asien mehr in den Kreis der Interessen der Europäer. 
Zuerst waren es die Nord- Amerikaner, welche hier vergeb- 
lich ein Kohlend£pöt zu errichten versuchten. Mit der 
Zunahme des Handels war es nötige dass gewisse Plät- 
ze den Europäern von den chinesischen Behörden frei ge- 
geben wurden, so Tainan und Tamsui und später wurde 
auch Amping, Kilung und Takaozu Vertragshäfen erklärt. 

Mehrmals trat Formosa auch in neuerer Zeit im interna- 
tionalen Streite hervor. So wäre es 1874 deswegen fast zum 
Kriege zwischen China und Japan gekommen. Mehrere 
Untaten eingeborener Stämme, besonders der Pattangs im 
Süden Formosas hatten, da China eine Verantwortlichkeit 
dafür ablehnte, die Japaner veranlasst, eine Expedition ge- 
gen die Missetäter zu unternehmen, welche auch von Er- 
folg gekrönt war. Da die Japaner sich weigerten, ohne 
Entschädigung von chinesischer Seite Formosa wieder zu 
räumen, so wurde nur durch Vermittlung der Europäer 
der Krieg zwischen beiden verhindert. Erwähnt sei schliess- 
lich noch ausser den Plänen, die Deutschland an Formosa 
knüpften, dass auch Frankreich während des tonkinesi- 
schen Feldzuges 1885 die Insel zeitweise besetzt hatte. Doch 
führte diese Okkupation gewissermassen zu einem letzten 
Aufraffen der chinesischen Behörden: Formosa wurde 
jetzt selbständige Provinz, und ist unter der tüchtigen Ver- 
' waltung des Liu-Ming-Chuan durch Anlagen von Eisen- 
bahnen, Strassen, Telegraphen etc. etc sehr viel für die 
Hebung des Landes getan worden, allerdings unter star- 
ker Besteuerung der Bevölkerung. 

Der chinesisch-japanische Krieg im Jahre 1894/95, der ja 
noch in aller Erinnerung ist", hatte dann das Resultat, dass 
Formosa an Japan kam, welches alle Massregeln zu einer 
durchgreifenden Kolonisation ergriff. 



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- 17 - 



Wahrend meines Aufenthaltes in Japan, wo ich mich 
studienhalber von Juni 1897 bis Mai 1899 mit Unterbre- 
chungen aulhielt, unternahm ich auch eine Reise nach die- 
ser Insel. Sie sollte zunächst nur den Zweck haben, über 



Mann und Frau der Vonumgruppe 

die socialen und wirtschaftlichen Verhältnisse möglichst 
genauen Aufschluss zu erhalten. Besonders aber war es 
noch die viel umstrittene Rassenfrage der Ureinwohner, 
für die ich mich besonders interessierte, da gerade von 
einigen Reisenden bezüglich ihrer Abstammung Behaup- 
tungen aufgestellt waren, die ich keineswegs teilen konnte. 



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Leute der Tsowgruppe (Arisoastamm) 



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1 



- 19 - 

Am bekanntesten sind die Angehörigen der Vonum und 
Tsoogruppe. 

Unser deutscher Konsul in Formosa, Herr v. Varchmin, 
der im November 1898 in Japan zu seiner Erholung weilte, 
bestärkte mich in meinem Entschlüsse und sicherte mir 
auch die Unterstützung des damaligen Generalgouver- 



Nördliche Spitze des Mt. Morrison (Saitospitze) 

neurs Baron Kodama, des späteren japanischen Kriegsmi- 
nisters, zu. 

Und so trat ich an eine Aufgabe heran, die keineswegs 
eine leichte war und deren Lösung von vielen Zufälligkei- 
ten, von Gefahren will ich hier nicht sprechen, abhing, zu- 
mal ich mir als Endziel die Besteigung des Niitakayama 
(Mt. Morrison) setzte, der sich unter dem Wendekreis des 
Krebses bis # zu einer Höhe von über 4000 m. erhebt und 
in einem bis dahin fast noch vollkommen unerforschten 



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- 20 - 

Gebiete liegt. Ausserdem war seine höchste Erhebung da- 
mals noch unerstiegen. 

In der deutschen Gesellschaft für Natur—und Völker- 
kunde Ostasiens berichtete Dr. Honda, Professor der Forst- 
wissenschaften in Tokio, über seine im November 1896 im 
Auftrage der japanischen Regierung unternommene Expe- 
dition in das Mt. Morrison-Gebiet, w Auch er hatte sich als 
Aufgabe die höchste Erhebung der Insel gesetzt, musste 
jedoch kurz vor dem 'Ziele umkehren, da er an Malaria 
erkrankte. Seine Expedition hatte jedoch insofern Erfolg, 
als sie reiche Sammlungen mit nach Hause brachte und 
zum ersten Male genauere Kenntnisse über die Flora des 
Mt. Morrisongebirges ergab. Einer seiner Offiziere, namens 
Saito, war sogar bis zu einem Punkte vorgedrungen, der 
nur noch wenige Meter unter dem höchsten Gipfel des 
Niitakayama-Gebirgsstockes liegt. Dort fand ich am 2. 
Weihnachtsfeiertage 1898 die von ihm deponierte japani- 
sche Flagge, die sich jetzt in meinem Besitze befindet und 
ein interessantes Stück meiner ostasiatischen Reiseerin- 
nerungen bildet. 

Früher, etwa 30 Jahre zurück, waren es die Engländer 
Dodd und Pickering (nach ersterem ist die Dodds Range 
in Nordformosa genannt), die vergeblich Versuche mach- 
ten, die höchste Erhebung zu erreichen. Malariafieber, die 
feindlichen Wildstämme, die noch der Kopfjagd gleich ihren 
Vorfahren obliegen, und sonstige Schwierigkeiten, stellten 
sich in den Weg, vereitelten ihre Pläne und liessen sie nicht 
zum Ziele kommen. 

So begab ich mich denn zunächst in Gesellschaft des 
deutschen Konsuls, Herrn v. Varchmin, nach Formosa, um 
wenigstens einen Versuch zu machen, etwas zur Erfor- 
schung dieser Insel beizutragen. 

Nach einer sechstägigen stürmischen Ueberfahrt zur 
schlimmen Zeit des Nordostmonsuns landeten wir am 24. 
November 1898 im Kilunghafen. Am 21. und 22. November, 
zur Zeit der Einweihung des Iltisdenkmals durch Seine 

(1) Siehe Band VI Mittheilungen der Deutschen Gesellschaft« für Natur-und 
Völkerkunde Ostasiens, Seite 469. 



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- 21 — 

Königliche Hoheit den Prinzen Heinrich hatten wir nicht 
weit ab von den Liuchiu-Insel einen Sturm zu bestehen, 
der beinahe unserem japanischen Dampfer verhängnisvoll 
geworden wäre. Aber trotzdem schon die erste Kajüte teil- 
weise unter Wasser war, erreichten wir doch noch mit 
heiler Haut, wenn auch mit nassen Füssen den Haupthafen 
Formosas, Kilung, eine Stadt von etwa 10.000 Einwohnern. 
Es ist der einzige, welcher grösseren Dampfern den Ein- 
tritt gestattet, die aber immerhin noch 1 V2 km. vor der 
Stadt selber vor Anker gehen müssen. Der Hafen ist durch 
ein Fort befestigt, das Mitte der 80er Jahre durch die Fran- 
zosen unter dem Admiral Courbet besetzt war. Mitten in 
ihm liegt eine kleine Insel, Palmeninsel genannt, während 
die ringsum von Bergen eingefassten Ufer mit Bambus be- 
wachsen sind. Der Hafen ist sehr schlecht und mangelhaft 
und das Landen während des Nordostmonsuns mit grossen 
Schwierigkeiten verbunden, da eine Mole gänzlich fehlt. 
Ausserhalb des Hafens sind zahlreiche Felsenriffe, an denen 
sich die Wellen brechen und ihren weissen Gischt zum 
Himmel emporsenden. Die stürmische See ging bei un- 
serer Ankunft innerhalb des Hafens so hoch, dass die uns 
vom deutschen Konsulate entgegengeschickte Dampibar- 
kasse beinahe umkippte, wieder umkehren musste und 
uns erst nach beruhigter See, nach 24 Stunden glücklich 
an's Land brachte. 

Ich befand mich gerade nicht in rosiger Stimmung, als 
ich in Kilung formosanischen Boden betrat.. «Ilha Formo- 
sa!» dachte ich, wo bist du, du schöne Insel? Wo ist dein 
vielgepriesener blauer Himmel, für den die ersten Europäer 
so schwärmten? die Portugiesen nämlich, die der Insel den 
Namen gegeben, als sie vor mehr als 300 Jahren zum ersten 
Male die Küste befuhren und darüber in Entzücken gerie- 
ten. Mit grosser Spannung sah ich daher den Ueberra- 
schungen entgegen, die meiner hier noch harren sollten. 

Um von Kilung weiterzukommen, führte eine schon von 
Chinesen gebaute Eisenbahn etwa 100 km. bis nach Teks- 
ham, und die Japaner beabsichtigten sie weiter durch die 
Ebene mehr an der Meeresküste entlang bis hinab nach 
Tainan fortzuführen. 



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Hafen von Tamsüi (Höbe) 



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- 23 - 

Von Kilung fuhren wir also zunächst durch hübsche ge- 
birgige Gegenden in etwa 1 V2 Stunden per Bahn bis Twa- 
tutia, der Geschäftsstadt der Europäer, die am Tamsuiflus- 
se gelegen ist und von den Japanern mit Taidotei bezeich- 
net wird. Hier haben auch die fremden Konsulate ihren 
Sitz, nur das engliche befindet sich in dem 14 km. flussab- 
wärts entfernten, von mir ebenfalls besuchten Hafen von 
Tamsui, auch Höbe genannt. Im deutschen Konsulate nahm 
ich Wohnung und traf die Vorbereitungen zu meiner Reise 



Deutsches Konsulat in Twatutia, am Tamsuifluss gelegen 

in das Innere. Das Konsulatsgebäude schaut mit der Front 
nach dem Tamsuiflusse. Dieser war im Monat August 1898 
während eines Taifuns aus seinem Ufer getreten und hatte 
sogar den Konsulatsgarten völlig unter Wasser gesetzt. 
Das Gebäude selbst war Eigentum des Grafen Buttler und 
an die deutsche Reichsregierung verpachtet. Unter der 
chinesische Regierung war der Besitzer im Norden Formo- 
sas stark finanziell an der damals florierenden Kampferin- 
dustrie beteiligt gewesen. 
Taifune sind auf Formosa namentlich in den Monaten 



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Ueberschwemmte Strasse in Twatutia vom 7. Aug. 1898 



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- 25 - 



Trümmer eines chinesischen Warenhauses vom 7. Aug. 1898, durch einen Taifun 
, zerstört, wobei 11 Personen ums Leben kamen 



Lagerhaus der amerikanischen Firma Smith, Baker & C°, zerstört durch den 
Taifun vom 7. Aug. 1898 



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- 26 — 

August und September keine Seltenheit; sie richten oft 
an den Baulichkeiten grossen Schaden an und fordern viele 
Menschenleben, da sie meist auch mit grossen Ueber- 
schwemmungen verknüpft sind. Die Hauptstrasse in Twa- 
tutia war während des Taifuns im August 1898 in einen 
grossen See verwandelt worden und unter den Trümmern 
eines Warenhauses, einem Chinesen, namens Hoikee ge- 
hörend, büssten während desselben nicht weniger als 11 Per- 
sonen ihr Leben ein. Das Lagerhaus der amerikanischen 
Firma Smith, Baker & C.° am Tamsui-Flusse lag noch in 
Ruinen. Während meines Aufenthaltes in Twatutia waren 
noch überall die Verheerungen des Taifuns zu erkennen. 
Eine über 400 m. lange Eisenbahnbrücke über den Tam- 
suifluss war vollkommen zerstört. 

Dicht bei Twatutia liegt die Stadt Taipeh, japanisch Tai- 
hoku genannt, welche von einer chinesischen Mauer umge- 
ben ist. Auf nachstehendem Bilde sehen wir im Vorder- 
grunde das Hospital, rechts abgeerntete Reisfelder, im Mittel- 
punkte die nach der Polizeistation führende Hauptstrasse, 
im Hintergrunde in südlicher und südöstlicher Richtung die 
Gebirgskette Nordformosas. Ausserhalb der Stadt auf einem 
Hügel befindet sich der botanische Garten mit schöner 
Aussicht. Ein anderer Stadtteil heisst auch noch Banka 
und ist von Chinesen wie von Japanern bewohnt. Die Ge- 
samtbevölkerung von Taipeh, Twatutia und Banka beläuft 
sich wohl auf 118000 Einwohner und zwar sind davon 
112000 Chinesen und nahezu 6000 Japaner (ohne militäri- 
sche Besatzung). In Taipeh ist der Sitz des japanischen Ge- 
neralgouverneurs, der meiner Expedition freundlichst 
gegenüberstand und mir eine militärische Eskorte durch 
das Rebellengebiet bereitwilligst für meine Sicherheit zur 
Verfügung stellte. 

Durch Vermittlung des deutschen Konsulates erhielt 
ich einen Pass für ganz Formosa und ausserdem besondere 
Empfehlungen an sämtliche Polizeibehörden der Städte 
welche ich berühren würde. 

Unsere Expedition, welche ausser mir zunächst aus den 
Dolmetschern Greiner und Ito, einem chinesischen Koch 



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- 28 - 

und vier chinesischen Trägern bestand, brach also am 4. 
Dezember 1898 von Twatutia auf und mit Benutzung der 
Eisenbahn kamen wir durch eine fruchtbare Ebene, in der 
Reis, Indigo, Zuckerrohr, die Eierpflanze, Erdnüsse, süsse 
Kartoffeln und Orangen gebaut wurden. Allmählich stieg 
das Terrain langsam an und die Bahn führt durch eine 
Htigellandschaft, deren Boden aus lössartiger, roter Erde 
bestand und die mit Theekulturen in den Thälern, mit Bam- 
buspllanzungen und Föhrenbeständen auf den Höhen be- 
wachsen war. Dazwischenhin zogen sich Schluchten mit 
üppigem Graswuchs. In einer Höhe von 150 m. etwa liegt 
die Station Tionglek. Der Charakter der Gegend blieb hier 
im Allgemeinen der gleiche, nur das entfernte Hügelland 
war unkultiviert. Gelegentlich bemerkte man einzelne 
Ziegelbrennereien und zum ersten Male auch die kleinen 
formosanischen Reiher. So erreichten wir die Station 
Tuaokan, die auf dem sogenannten Tafelberg, dem höchsten 
Punkt der Eisenbahn gelegen ist, und von hier bot sich 
eine weite Fernsicht namentlich auf die Berge : das Toko- 
ham Gebirge und dahinter der noch nicht bestiegene Mt. 
Silvia und weiter südlich die Dodds Range. Am gegenüber- 
liegenden Abhänge des Tafelberges kamen wir nach Sin- 
chiatau, wo die über den Kuhang Fluss führende etwa 300 
Meter lange Eisenbahnbrticke durch den oben erwähnten 
Taifun zerstört und die weitere Benutzung der Eisenbahn 
infolgedessen unmöglich war. Der angerichtete Schaden 
war auch hier ein ganz ausserordentlicher. Die aus massi- 
vem Sandstein aufgeführten Grundpfeiler von der östli- 
chen Seite der Brücke waren vollständig zerstört. Auf der 
anderen Seite, der westlichen, lag ein Teil der Brücke 
inmitten des Flusses und die eisernen Träger ragten aus 
dem Wasser hervor. Wir mussten daher die Reise zu Fuss 
fortsetzen und nahmen den Weg über eine provisorische 
Brücke nach dem 10 km. entfernten Teksham, dem eigent- 
lichen Endpunkt der Bahn, einer mit einer Mauer umge- 
benen Stadt von 30.000 Einwohnern, wo wir nachmittags 
3 Uhr anlangten. Kurz vor der Stadt passierten wir noch 4 
chinesische Ehrenbögen, welche dem Andenken verdienst- 



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- 29 - 

voller Mandarinen gewidmet waren. In einem früheren 
chinesischen Gutshofe, jetzt zu einem japanischen Gasthau- 
se eingerichtet, nahmen wir Quartier. Der japanische 
Eigentümer, namens Toshika, erzählte uns unter anderem, 
dass im Mai 1898, bei Errichtung eines Kampferofens, die 
bei ihm beschäftigten Kulis von den eingeborenen Malayen 
geköpft worden seien. Auf unseren späteren Touren tiber- 



Zerstörte Eisenbahnbrücke über den Kuhangliuss 

nachteten wir, wenn irgend möglich, in japanischen Gast- 
häusern, die sich wesentlich durch ihre Reinlichkeit von 
den chinesischen unterscheiden. 

Am 5. Dezember früh V2 8 Uhr brachen wir von Teksham 
auf. Der Weg führte an der gut erhaltenen äusseren Stadt- 
mauer entlang nach dem Bahnhofe, wo an Stelle der bis- 
herigen normalspurigen Eisenbahn eine schmalspurige 
Feldbahn beginnt, auf der kleine Karren von chinesischen 
Kulis gezogen werden. Wir mieteten zwei solcher Karren, 



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- 30 — 

den einen für mich und meine Begleiter, den anderen für 
das Gepäck. Auf der Fahrt passierten wir Hongsan, Hong- 
sankia und Tanhuia, wo die Wagen gewechselt wurden, und 
trafen viele chinesische Kulis, welche Kampferöl und Hanf 
auf Karren und Lasttieren nach den Marktplätzen führten. 
Als Haustiere hatten sie Ziegen und Wasserbüffel. Auffal- 
lend ist der Anblick, wenn die auf Formosasehr zahlrei- 
chen Dohlen auf dem Rücken dieser Tiere, namentlich des 
Büffels, das Ungeziefer wegpicken. 

Als angenehme Reisebegleitung gesellten sich uns in 
Teksham zwei japanische Militärärzte zu, welche nach Mali 
reisten, um dort malariakranke Soldaten für den Transport 
nach dem Militärhospital abzuholen. 

Nachmittags 5 Uhr erreichten wir Mali und meldeten uns 
bei der japanischen Präfektur, die uns eine militärische 
Bedeckung zur persönlichen Sicherheit zur Verfügung 
stellte, da wir uns jetzt bereits im Gebiete der Rebellen 
befanden. Diese militärische Bedeckung wurde von Prä- 
fektur-zu Präfektur abgelöst und je nach Bedarf verstärkt. 

Am 6. Dezember früh V2 9 Uhr verliessen wir, zum ersten 
Mal unter militärischer Bedeckung von etwa 12 Mann, Mali. 
Die Feldbahn führte zunächst auf die Höhe eines kleinen 
Plateaus von 200 m., auf dem sich ein japanischer Soldaten- 
Kirchhof befindet. Hier wollte Graf Buttler Reisbau, be- 
treiben, doch sein Plan einer künstlichen Bewässerung 
scheiterte an der Uneinigkeit der chinesischen Grundei- 
gentümer, welche ihm viel Schwierigkeiten bereiteten. 

Durch hügeliges Gelände hindurch passierten wir den 
Wani und Taikafluss. Diese, wie der noch später zu erwäh- 
nende Chonghoa befinden sich noch ganz im Naturzustande 
und setzen dem Reisenden oft grosse Schwierigkeiten ent- 
gegen, da die vielverzweigten Flussarme durch grosse Ge- 
röllmassen von einander geschieden sind und sich oft in 
einem Kilometer breiten Flussbette verlieren, das nur zur 
Zeit des Hochwassers ganz ausgefüllt ist. Der Weg und 
die Bahnstrecke führt über die Flüsse auf schmalen, 
schwankenden Stegen, welche durch ihre primitive Kon- 



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- 31 - 

struktion für eine Bahn nicht ganz ungefährlich sind. Aut 
dem Steg über den Taika war tags zuvor ein japanischer 
Postzug von Rebellen überfalten und ausgeplündert und die 
militärische Bedeckung von 9 Mann niedergemacht worden. 
Das breite Bett des Taika, welches während des Hochwas- 
sers ganz ausgefüllt ist, hat sich tief in die lockeren Löss- 
massen eingeschnitten, welche dem Gebirgsstock von For- 
mosa westlich vorgelagert sind. Auf dieser Strecke trafen 



Shajostrasse in Taichu 

wir viele Haselhühner und Schnepfen. Beim Passieren 
einer Polizeistation wurde unsere Bedeckung verstärkt, 
denn wir befanden uns nun mitten im Rebellengebiete. 
Mehrere Dörfer am Abhänge des Gebirges standen lichter- 
loh in Flammen, die ihren hellen Schein auf die dahinter- 
liegenden Berge warfen. Inzwischen war es 7 Uhr Abends 
geworden, als wir nach einer Tagesstrecke von 40 km. in 
Honlotun anlangten. 

Am 7. Dezember früh 8 Uhr ging es von Honlotun mit 



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der Feldbahn wieder weiter nach dem 11 Kilometer entfern- 
ten Taichu, das wir gegen 10 Uhr erreichten. Links vom 
Wege erheben sich hohe Berge, während rechts eine Hü- 
gelkette den Ausblick nach dem Meere versperrt. Der Weg 
führt durch ein etwa 4 km. breites, sehr fruchtbares» 
vornehmlich mit Zuckerrohr bebautes Thal. Die Weiter- 
reise von Taichu am selben Tage wurde durch den Wider- 



Nanohastrasse in Taichu 

stand des Präfekten aufgeschoben, der durchaus davon 
abriet. 

Am nächsten Tage, den 8. Dezember, erhielt ich auch aus 
Taipeh eine Depesche von dem deutschen Konsul, in wel- 
chem amtlich von der Fortsetzung der Reise abgeraten 
wurde. Auch der japanische Generalgouverneur Baron 
Gentaro Kodamä war wegen meiner Sicherheit besorgt 
gewesen. Nichtsdestoweniger vertrauten wir uns Nachmit- 
tags 2 Uhr wieder der Feldbahn an und erreichten nach 
Passieren des Flusses Chonghoa auf einer Fähre um 5 Uhr 
die Ortschaft gleichen Namens. Einer der Kulis, der als 



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1 ^_* 7 a£>v 



- 33 - 

Lokomotive diente, war so abgemattet, dass er aufgeladen 
und gefahren werden musste. 

Aus NO. wehte ein starker Wind und die Berge blieben 
infolge des bewölkten Himmels unsichtbar. In Chonghoa 
besuchte ich den Präfekten und den Missionar Lands- 
borough, der unsere Hoffnung auf glückliches Gelingen 
unserer Expedition durch seine Schilderungen von der 
allgemeinen Unsicherheit der Gegend stark herabsetzte. 

Chonghoa erinnert durch seine engen, schmutzigen Stras- 
sen an Kanton und charakteristisch waren auch hier die 
Teiche innerhalb der Stadt, Tummelplätze für Enten, Gän 
se und Waschplätze für die Chinesen. Die noch ziemlich 
gut erhaltene Stadtmauer hatte sich im Jahre vorher als 
Schutz gegen einen Rebellenangriff gut bewährt. 

Wir verliessen Chonghoa am 9. Dezember früh auf der 
Feldbahn. Die Strecke durchschnitt eine Ebene, die mit Ba- 
nikobäumen und Betelnusspalmen und hauptsächlich mit 
Reis, Kartoffeln und auch mit Gerste bebaut war. Viele 
kleine Gehöfte, von Zuckerrohr oder Bambusstauden ein- 
gefasst, belebten dies Bild chinesischen Fleisses. Zur Be- 
wässerung der Reisfelder durchqueren die Ebene zahlrei- 
che, mit schmutzigem Wasser angefüllte Gräben. Links vom 
Wege über einer Hügelkette ragten aus fast südöstlicher 
Richtung die obersten Spitzen des Niitakayama aus dem 
Nebel hervor. Bei Besoaki, einer Haltestelle, passierte die 
Bahn den 120 m. breiten Potanke, der in seinem oberen 
Laufe Tinlanke resp. Tonofluss heisst und bei Chip-Chip 
den aus dem Drachensee entströmenden Fluss gleichen 
Namens aufnimmt und diesen Namen bis Poatau beibehält. 
Die Fahrt ging nun wegen des abfallenden Geländes ziem- 
lich rasch von statten und um 1 Uhr waren wir schon in 
Poatau und im japanischen Gasthause mitten unter japa- 
nischem Militär gut aufgehoben. Poatau liegt in einer Nie- 
derung 20 m. über dem Meeresspiegel und die Moskitoplage 
machte sich infolgedessen stark bemerkbar. 

Auf der Präfektur suchten wir nähere Erkundigungen 
einzuziehen und brachten auch in Erfahrung, dass in der 



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- 34 - 

vergangenen Nacht chinesische Räuber mehrere ihrer eige- 
nen Landsleute bis auf die Kleider ausgeraubt und völlig 
nakt hatten laufen lassen. Da wir erfahren hatten, dass der 
Japaner Inamura, der in der ganzen Gegend genau Be- 
scheid wusste und an den ich Empfehlungen mit hatte, in 
Unrin nicht anwesend war, änderte ich den Reiseplan und 
statt Unrin wurde Linkipo als nächstes Reiseziel in Aus- 
sicht genommen. 

Am 10. Dezember früh 7 Uhr brachen wir von Poatau aut 
unter Bedeckung von 5 Polizei-und 6 regulären Soldaten, 
die zum Krankentransport nach Linkipo bestimmt waren. 
Diese marschierten, während wir selber uns als Transport- 
mittel chinesischer Chairs bedienten, welche von je drei 
Kulis getragen wurden. Zunächst in einem versandeten 
Flussbette an Zuckerrohrfeldern und chinesischen, mit 
Kaktuspflanzen und Bambusstauden eingefassten Gehöften 
vorbei, erreichten wir das Dorf Sonlun, wo der englische 
Missionar Mood aus Chonghoa als letzter Weisser uns be- 
grtisste. Dieser Ort war zur Zeit des letzten Aufstandes 
durch Ueberschwemmung sehr stark heimgesucht und die 
Polizei in einem Tempel stationiert. Von hier führte der 
Weg weiter durch ein Gehöft an Reisfeldern und Zucker- 
rohrpflanzungen vorbei nach dem Dorfe Lipachui, wo wir 
auf der Gendarmeriewache rasteten. Hier wechselte unse- 
re militärische Eskorte, da ein Militärkrankentransport 
von Linkipo in Empfang zu nehmen war. Der japanische 
Gendarmerieoffizier Ono nahm uns sehr freundlich auf und 
bewirtete uns in der zuvorkommendsten Weise mit Thee 
und Orangen und nach einsttindiger Rast ging es weiter 
durch ein sehr fruchtbares Gelände, entlang an einem Ka- 
nal zum Dorfe Biatau, wo die Gendarmen zurtickblieben. 
Dann hinüber, quer über Steingeröll und angeschwemmte 
Holzmassen, gelangten wir zu dem sehr reissenden Haupt- 
flusse Chip-Chip, der auf einer Fähre tiberschritten wurde. 
Das Ziel unserer Reise, der Niittakayama, war in südöstli- 
cher Richtung durch seine drei Spitzen erkennbar. Dann 
ging es durch hügeliges Terrain weiter, das ganz geeig- 



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— 35 - 

net war» den Rebellen, die zur Zeit meiner Reise noch we- 
nig niedergeworfen waren, günstige Gelegenheit zum 
Versteck und Hinterhalt zu bieten. Unter grossen Anstren- 
gungen und immer durch Patrouillen das Gelände aulklä- 
rend, erreichten wir am Nachmittage Linkipo, wo wir von 
den Beamten der Subpräfektur freundlichst aufgenommen 
und im Amtsgebäude untergebracht wurden. Es erhob sich 
nun eine grosse Schwierigkeit, da die Gendarmerie uns 



Präfecturgebäude in Linkipo 

nicht weiterziehen lasse wollte, da unser Pass nur für ab- 
* solut sichere Gegenden ausgestellt wäre. Glücklicherweise 
kam aber bald von Unrin > wo man bei der vorgesetzten 
Behörde telegraphisch angefragt hatte, der Bescheid zu- 
rück, dass die Tour allerdings auf eigene Verantwortung 
und Gefahr fortgesetzt werden dürfte. 

Nun traf es sich sehr günstig, dass gerade gleichzeitig 
mit uns in dem Amtsgebäude ein Trupp von etwa 20 Einge- 
borenen vom Arisoastamme aus der weiteren Umgegend 
zugegen war, durch deren Gebiet unser Weg führen musste. 



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— 36 - 

Es waren meist halbwüchsige Burschen mit dichtem 
schwarzem Kopfhaar, mehrere kräftige Männer, der Häupt- 
ling mit seiner Frau und der Dorfälteste, der nahe an 50 
Jahre zählen mochte. Einer von den Eingeborenen war 
gerade damit beschäftigt, eine bleierne Gewehrkugel zu einer 
Stange zu hämmern, aus der er dann Vogelschrot für 
seinen Schiessbedarf herstellen wollte. Mit ihnen knüpfte 
ich wegen Beteiligung an der Expedition nach dem Mt. 



Horsiastamm aus Häuptling und den Stammältesten 

Morrison Verhandhingen an und wir kamen dann auch 
überein, in den nächsten Tagen aufzubrechen. So blieb uns 
dann noch gerade so viel Zeit übrig, um. unsere Vorberei- 
tungen zu treffen. 

Am Nachmittag des n. Dezembers unternahm ich noch 
einen Spaziergang in der Nähe des Ortes, um diesen gen- 
auer kennen zu lernen. Die umgebenden Felder sind mit 
Hanf, Reis, Kartoffeln, Erbsen und Rüben bebaut. Blühende 
Kakteen wuchsen hie und da und trugen zur malerischen 
Ausschmückung der Gegend bei. Noch gesteigert wurden 



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- 37 - 

diese Farbeneffekte, als sich unseren Augen ein wunder- 
voller Sonnenuntergang darbot und die an den Wolken ge- 
brochenen Strahlen einen herrlichen Regenbogen hervor- 
zauberten. Unser Rückweg führte an dem Barackenlager 
des japanischen Militärs, an einer Theaterbühne und zufälli- 
gerweise an einer chinesischen Beerdigung auf dem Markt- 
platze vorbei. Als ich mit meinem Begleiter heimkehrte, 
sassen die Wilden am Feuer und durch ihre Reihen wan- 
derte ein Bambustrinkgefäss, welches mit warmem Brannt- 
wein-Getränk gefüllt war, von den Chinesen "Samchu ,> ge- 
nannt. Auf dem Feuer hatten sie eine riesige Pfanne, in der 
Reis und Schweinefleisch gekocht wurde, letzteres schmack- 
haft, doch stark versalzen. Sehr melancholisch klangen die 
Lieder, welche sie bei ihren Hantierungen ertönen Hessen. 
Der Häuptling machte auf mich nicht den Eindruck eines 
Vollblutmalayen, er schien einen Zusatz von holländischen 
Blute zu haben. Da.er sehr gut chinesisch sprach, so ent- 
wickelte sich durch Vermittlung meines Dolmetschers ein 
interessantes Gespräch, das darauf hinauslief, dass er mit 
uns blutsverwandt zu sein behauptete, da er ja von densel- 
ben Vorfahren wie wir abstamme. Diese Anschauung deu- 
tet wahrscheinlich auf die frühere Herrschaft der Holländer 
hin. Diese haben hier, wie wir schon erwähnten, im 17. Jahr- 
hundert ein Menschenalter lang ein sehr glückliches Regi- 
ment ausgeübt, dessen Segnungen in hervorragendem Masse 
auch den Eingeborenen zu gute kam, dass diese sich jetzt 
noch, wenn auch dunkel wie an ein entschwundenes glückli- 
ches Zeitalter daran erinnern. Von anderer Seite wird aber 
daraufhingewiesen, dass die Meinung der Eingeborenen, 
die Ahnen der Europäer seien auch ihre Ahnen, keinen 
anderen Grund habe, als dass sie damit ihre Selbststän- 
digkeit, d. h. gleiche Rechte betonen wollen. 

Die Tracht der Wilden ist eine sehr primitive : der Häupt- 
ling trug eine Jacke mit roten Aermeln, die übrigen hatten 
über den Oberkörper eine Art Weste von Hirschleder 
gezogen und um die nackten Lenden einen Bastgürtel getan» 
in dem ein langes Messer in hölzerner Scheide steckte. Der 
Kopf war von einer ledernen Kappe mit Nackenschutz 



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- 39 — 

gens kommt diese Sitte auch bei den Chinesen vor und soll 
angeblich ein wirksames Mittel gegen die so häufige Mala- 
ria, einer der schlimmsten Krankheiten Formosas, sein. 
Beim Essen ass der Häuptling mit Stäbchen aus einer 



Weiber des Horsiastammes 

Schale, die übrigen aus einer grossen Pfanne gekochten 
Reis mit Schweinefleisch. 

Die Eingeborenen, mit denen ich zusammengetroffen war 
und die nun meine Reisebegleiter werden sollten, gehören 
dem Arisoastamme an. Sie machten auf mich von vorne- 
herein einen sehr angenehmen, bescheidenen Eindruck, und 



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- 40 - 

ich hatte während meines ganzen längeren Zusammenseins 
mit ihnen keine Veranlassung, diese Meinung zu ändern. 
Eine grosse Gleichgiltigkeit legen sie gegen alles an den 
Tag,*was Kultur heisst, und gab es nur eine Ausnahme: da 
sie nämlich Naturkinder und Jäger sind, lieben sie ein 



freies Leben und über alles Schiesswaffen, mit denen sie 
vollkommen vertraut sind. Deshalb folgten sie auch mit be- 
sonderem Interesse der Erklärung, welche ich ihnen von 
meinem Gewehr gab und verliehen ihrer Freude und Ueber- 
raschung über die Treffsicherheit desselben durch laute 
Rufe «uih! uih»! Ausdruck. Als Wild kommen Schnepfen, 
vier Arten Tauben, Fasanen und mehrere Reiherarten in 



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- 41 - 

Betracht Als ich in der Frühe des folgenden Tages wieder 
in der Umgebung von Linkipo umherstreifte, um einige Be- 
kassinen, Wildtauben und sonstiges zu erbeuten, folgten mir 
wie auch stets später, 2 oder 3 Eingeborene, die, sobald sie 
mich mit der Flinte sahen, nicht mehr loszuwerden waren. 
Ich hatte dabei gute Gelegenheit mit ihnen bekannt zu 
werden. Vor allem imponierten mir die ganz vorzüglichen 
Augen dieser Naturkinder, die da mit Genauigkeit Gegen- 
stände unterscheiden, für die das Auge des Europäers ganz 
blind ist. Eigentümlich für sie ist auch die Art und Weise, 
wie sie der Jagd obliegen. Unauffällig, ganz geräuschlos 
schleichen sie sich, durch die der äusseren Umgebung 
angepasste Kleidung gedeckt, nahe an das Wild heran und 
schiessen dann mit altmodischen Gewehren, die sie noch 
dadurch für ihren speziellen Gebrauch herrichten, dass sie 
den Kolben abschrauben; sie legen nämlich nicht an der 
Schulter an, sondern halten das Gewehr einfach mit beiden 
Händen nach vorne. So verbrachte ich, bis alle unsere 
Vorbereitungen getroffen waren, noch mehrere Tage in 
Linkipo, denn zu Tauschverkehr mit den Wilden waren 
noch viele Gegenstände zu besorgen, wie Salz, Tuchstoffe, 
farbige Bänder, Streichhölzer, Glasperlen, Messingdraht, 
kleine Muscheln etc., ausserdem fehlte es uns auch an Brot, 
das erst aus Taichu herbeigeschafft werden musste. 

Am 15. Dezember vormittags gegen 9 Uhr brachen wir 
endlich nach den nötigen Vorbereitungen bei wunder- 
schönem Wetter von Linkipo auf. Unsere Expedition be- 
stand aus 30 Personen,darunter 20 Eingeborene vom Arisoa- 
stamme mit ihren beiden Häuptlingen. In nordöstlicher 
Richtung ging es an einigen Gehöften vorbei und dann an 
einem Gebirgsflusse entlang durch eine Gegend, die durch 
den tropischen Charakter ihrer Vegetation ganz besonders 
gekennzeichnet wurde. Da die Wilden mit Gepäck sehr 
überlastet waren (es waren die Geschenke, welche ihnen 
von der japanischen Bukunshio-Verwaltung in die Heimat 
mitgegeben waren), so kamen wir nur langsam von der 
Stelle. Nachdem wir einen etwa 170 m. hohen Berg, be- 



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deckt mit einem undurchdringlichen Dickicht aus ver- 
schiedenen Arten von Palmen und buntfarbigen Gräsern, 
überschritten hatten, von wo sich ein prächtiger Blick auf 
die Ebene bis Linkipo darbot, gelangten wir an vereinzel- 



Mann & Frau der Tsowgruppe auf dem Marsch 

ten Hütten vorbei um 12 Uhr nach dem Walddorfe Sintsia 
und nach 1 V2 Stunden nach Taisuikutsu, ein Dorf in 520 m. 
Höhe über dem Meere, wo wir wohl oder übel übernachten 
mussten, da die durch das Gepäcktragen ermüdeten Wilden 
sich weigerten, weiter zu marschieren. 

Der Auibruch am nächsten Tage (16. Dezember) erfolgte 



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früh vor 6 Uhr. An einer Theeplantage und Reisfeldern 
vorbei, vor uns die Gipfel des Howosan und Nochosan und 
der Haban— Berge und das chinesische Dorf Nichocho 
passierend, erklommen wir nach beschwerlichem Anstieg 
den 760 m. hohen, sehr steilen Howosan, auf dessen Gipfel 
uns die prächtige Aussicht auf die passierten Dörfer Nicho- 
cho und Taisuikutsu belohnte. Von hier ging es etwa 200 m. 
wieder hinab durch eine wildromantische Schlucht nach 
Kolenka, ein Ort, in dem es viele Kampferöfen giebt. 



rvampieriorDcerDaum, raenr ais - m. im uurcnmesser 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich kurz auf den wich- 
tigsten Gewerbszweig von Formosa, die Kampferindustrie 
eingehen. Aus dem Könige der formosanischen Wälder, 
dem stolzen, ziemlich schnell wachsenden Kampferlorbeer- 
baum, dessen Umfang oft über 2 m. beträgt und dessen 
Stämme auch als wertvolles Baumaterial verwendet wer- 
den, wird durch Destillation der Kampfer gewonnen. 
Dazu taugen nur saftige Stämme, vor allem die Wur- 
zeln, nicht aber ausgetrocknete Bäume. Auf einem etwa 
4 Fuss hohem Lehmofen, der mit Holz geheizt J f 4 wird, 



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ruhen ein oder mehrere Eisenkessel, die mit Wasser 
gefüllt werden. Auf diesen Kesseln steht je ein etwa 5 
Fuss hoher Holzcylinder mit durchlöchertem Boden, 
durch den die Wasserdämpfe von unten eindringen. 
Diese Holzcylinder werden bis oben an mit kleinen 
Kampferholzstückchen gefüllt, hierauf mit einem Deckel 
zugedeckt und allenthalben mit Lehm luftdicht versch- 
miert. Die kampferhaltigen Dämpfe steigen alsdann durch 
ein oben im Cylinder angebrachtes Bambusrohr in einen 
kastenartigen luftdichten Behälter, der in fliessendem Was- 
ser steht und setzen sich darin kry stallartig ab. Durch 
ein höhergelegenes, mit leichter Neigung nach abwärts 
laufendes Rohr träufelt immer etwas Wasser in den Kessel, 
um das verdampfende Wasser zu ersetzen. Das ist notwen- 
dig, denn die Holzsttickchen werden 24 Stunden lang 
diesem Destillationsprozesse ausgesetzt. Etwa einen Monat 
währt es, bis durch die Niederschläge die Kiste mit Kampfer 
angefüllt ist. Doch kehren wir nach dieser Abschweifung 
wieder zu unserer Reisebeschreibung zurück. 

Nach einstündiger Rast brachen wir von Kolenka auf 
und kamen durch die Pepura-Schlucht zum Flussbette des 
Tinlanke, nachdem wir vorher eine der giftigsten Schlan- 
gen Formosas, eine Copra, erlegt hatten. Der Abstieg war 
bei der tropischen Nachmittagshitze äusserst beschwerlich , 
unser Dolmetscher brach mehrere Male kraftlos zusam- 
men, sodass wir Rast machen mussten. Gegen V2 4 Uhr 
nachmittags erreichten wir den Tinlanke, der von hier in 
nordwestlicher Richtung nach Chip-Chip weiterfliesst. Hier 
nimmt er von der rechten Seite den sogenannten schwar- 
zen Fluss auf, Chipchip Fluss genannt, der in seinem oberen 
Laufe mit dem Drachensee in einer Höhe von 1000 m. in 
Verbindung steht. An dessen rings von dicht bewaldeten 
Bergketten umschlossenen Ufern herrschen noch unab- 
hängige malayische Wildstämme, die der Vonumgruppe 
angehören. 

Im Hauptflusse des Tinlanke haben wir den Typus eines 
wilden reissenden Gebirgsstromes vor uns ; das ungefähr 
500 m. breite Flussbett ist zum Teile mit Geröllmassen 



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angefüllt, die sich aus grossen und kleinen, glatt abge- 
schliffenen Steinen zusammensetzen. Als wir nun den Fluss 
überschreiten mussten, gerieten wir in grosse Verlegenheit, 
da weder Fähre noch Furt vorhanden war. Einige Wilden 
schwammen hinüber und suchten jenseits, wir diesseits 
nach einer geeigneten Stelle, wo endlich der Proviant und die 
Gewehre von den Wilden auf dem Kopfe hinübergetragen 
wurden. Ich selbst wurde von einem Eingeborenen auf die 
Schulter genommen, während ihn ein anderer dabei unter- 
stützte. Es war jedenfalls eine sehr merkwürdige Situation, 
in der ich mich befand , denn als wir mitten im Flusse 
waren, wurden meinem Träger von der Strömung plötzlich 
beide Beine weggerissen und ich musste mir ein unwill- 
kommenes Bad gefallen lassen. Durch sofortiges Wechseln 
der Kleider und Einnehmen einiger Chininpillen suchte ich 
dem Ausbrechen der Malaria zuvorzukommen, während 
mehrere Mitglieder unserer Expedition und ein Chinese 
schon nach einer halben Stunde davon ergriffen wurden. 
Besonders der Stammälteste war derart von Fieber und 
Schüttelfrost ergriffen, dass er nicht mehr weiter konnte, 
er musste daher unter dem Schutze einiger seiner Leute 
zurückgelassen werden. Zwei der mir von der Präfektur 
mitgegebenen Japaner, der eine ein christlicher Missionar 
trennten sich hier von uns und zogen in Begleitung fast 
aller Wilden weiter nach Namakama, wo ich erst am näch- 
sten Tage wieder mit ihnen zusammentraf. Ich selber ver- 
liess mit meinen Leuten und den zwei letzten bei mir 
gebliebenen Eingeborenen, die als Führer dienten, das 
Flussbett und stieg direkt die mit mannshohem Kajasgras 
bedeckten Abhänge der Bergwand empor, entlang an einer 
Wasserrunse nach der angeblich eine Stunde entfernten 
Wildenansiedlung Sotkuram. Es war inzwischen ganz fin- 
ster geworden, sodass ich bereute weitergegangen zu sein 
und nicht im Flussbette biwakiert zu haben. Ausserdem 
steckten die chinesischen Kulis, die wegen der Dunkelheit 
Fackeln von Kienholz anzündeten, dabei auch, sei es aus 
Unvorsichtigkeit sei es aus böswilliger Absicht, was ich 
nicht herausbekommen habe, das trockene Kajasgras in 



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Brand. Vom Winde angefacht, nahm das Feuer bald 
einen derartigen Umfang an, dass wir in Lebensgefahr 
gerieten. Trotzdem die Kulis das Verhängnisvolle ihres 
leichtsinnigen Handelns vor Augen hatten, konnte ich sie 
doch erst mit der Pistole in der Hand zur Vernunft bringen. 
Aber es war schon zu spät. «Stöpel, es wird brenzlich, 
machen Sie, däss Sie nach vorne kommen ! » rief mir der 
Dolmetscher zu und mit Riesenschritten musste ich den 
20 m. langen Weg mitten durch das Flammenmeer hindurch 
rennen, da ich weder rechts noch links ausweichen konnte ; 
ausserdem war zu befürchten, dass die Patronen, welche 
ich im Gürtel um den Leib trug, explodierten. An der Spitze 
unseres Zuges angelangt, suchte ich möglichst rasch mit 
Aufbietung aller Kräfte den Gipfel des Berges zu gewinnen, 
wo mich meine Begleiter erst nach einer halben Stunde 
erreichten. Die chinesischen Träger konnten nicht so rasch 
dem Feuer entkommen und warfen ihre Lasten fort, die 
nun mein Dolmetscher Greiner mit Lebensgefahr einzeln 
aus dem Feuer herausholte. Er tiberanstrengte sich hierbei 
so, dass er die weitere Expedition nicht ganz mitmachen 
konnte. Wir hatten nicht mehr weit bis zum Dorfe Sotku- 
ram, wo wir vom Häuptling und den übrigen Doribewoh- 
nern freundlichst aufgenommen wurden. Dank des Rufes 
der uns begleitenden Wilden : € die Vettern kommen, die 
Vettern kommen U waren wir bald von halbnackten Ge- 
stalten umringt, die aus ihren Hütten hervorgelockt uns mit 
brennenden Fackeln entgegenleuchteten. Im Ausdruck 
«Vetter» lebt noch die angenehme Erinnerung an die Hol- 
länder fort. Als Gastgeschenk erhielten wir ein Huhn 
überreicht, das mit Reis gekocht bald eine kräftige Suppe 
abgab. 

Das Dorf Sotkuram besteht aus etwa einem Dutzend Hüt- 
ten, die zwischen den mit süssen Kartoffeln und Gebirgs- 
reis bebauten Aeckern zerstreut sind. Es liegt auf einem 
gewellten Hochplateau in einer der palten des Terrains 
und seine Gehöfte sind von hohen Bambusstauden um- 
rahmt, auf denen zahlreiche Wildtauben, unserer Feldtaube 
nicht unähnlich, sassen. Gerade gegenüber erhebt sich der 



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etwa 800 m. hohe Chapeitenka, zu deutsch Silberberg; sein 
Name lässt auf das Vorkommen dieses edlen Metalles 
schliessen. Schon in aller Frühe sandten wir Boten aus, 
um über den Verbleib des übrigen Teils der Expedition 



Primitive Brücke über den Horsiafluss 

Nachforschungen anzustellen. Gegen 9 Uhr kamen sie 
zurück und meldeten, dass die Kolonne Wilden sich auf 
direktem Wege nach ihrem Heimatsorte Horsia begeben 
hätte. So brachen denn auch wir um 9 Uhr bei einer Tem- 
peratur von 28° Celsius auf und machten über Anhöhen 
und Schluchten hinweg eine beschwerliche Kletterpartie 



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bis zur Wildenaflsiedlung Namakama, wo sich unsere ja- 
panischen Freunde, die sich gestern von uns getrennt, wie- 
der einfanden; hier befindet sich nämlich eine japanische 
christliche Mission, welche von dem uns von Linkipo be- 
gleitenden japanischen Missionare verwaltet wird. Er 
machte mich auf die Hütte des Häuptlings aufmerksam, an 
deren Giebel eine Menge Schädel, die Trophäen der Kopf- 



Dorf Horsia am Westabhang des Mt. Morrison, 790 m. über dem Meere 

jäger, angebracht waren. Nach kurzer Rast und Verab- 
schiedung von dem Missionare, der hier zurückblieb, ging 
es weiter und wir gelangten zum Horsia-Fluss. Es ist dies 
ein linker Nebenfluss des Tinlanke, den er an Breite fast 
erreicht und dem er auch durch die charakteristischen Ge- 
röllmassen sehr ähnelt. Seine Uferabhänge werden auch 
hier von steil aufsteigenden Felspartieen gebildet, oberhalb 
welcher die Berge von dichten, aus Nadelholz, Bambus 
und Schlingpflanzen bestehenden Urwald bedeckt erschei- 



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nen. Der Fluss wurde auf einer aus Bambus und Rattan 
hergestellten Hängebrücke von 30-40 m. Länge und kaum 
\ m. Breite überschritten. 

Dann erklommem wir den steilen Abhang am jenseitigen 
Ufer auf einem einfachen Saumpfade, der uns in wenigen 
Minuten in das Dorf Horsia brachte. Es liegt in etwa 700 m. 
Höhe und seine unzugängliche Lage ist absichtlich so ge- 



Dorf Horsia, HUtte der Unvermählten 

"wählt. Stets müssen sich ja die Eingeborenen vor den 
Beunruhigungen der benachbarten Stämme schützen, da 
Fehden unter ihnen ganz gewöhnlich sind und sich diese 
meist wegen der Jagdgründe entspinnen. Daher bilden ihre 
Wohnsitze gleichzeitig auch Schlupfwinkel vor Nachstel- 
lungen und werden aus diesem Grunde nicht dicht am 
Flusse angelegt, sondern auf einem Bergvorsprunge, wo 
sie auch durch dichtes Gestrüpp von Bambus und Kajas- 
gras vor den Augen der Feinde verborgen sind. 



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Das Dorf Horsia besteht etwa aus 14 aus Bambus erbau- 
ten Hütten. Die Seitenwände solcher Hütten und das Ge- 
rüst des Daches sind aus Bambusstäben gemacht, und das 
Dach ist mit Bambusgyas bedeckt. Durch besonderen Bau ist 
die sogenannte Hütte der Unvermählten ausgezeichnet, da 
sie auf Pfählen errichtet und der Boden etwa 1 m. von der 
Erdoberfläche entfernt ist. Auch für Gäste gibt es eine be- 



Dorf Horsia, Hütte für Gäste 

sondere, in der ich mit meinem Dolmetscher einquartiert 
wurde. Die unsere war ganz neu hergestellt worden und 
mass in der Länge 6 m., in der Breite 4 m. entsprach also in 
der Form den übrigen, nur war sie kleiner. 

Im Inneren stand eine grosse Pritsche von 2-3 m. Grösse, 
die sowohl als Lager für uns, wie auch zur Aufbewahrung 
unserer Sachen bestimmt war. Das Dorf machte durch die 
Reinlichkeit seiner Strassen und die landschaftliche Schön- 
heit einen freundlichen Eindruck. Sehr überrascht wurden 



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wir hier durch eine von den Wilden angelegte Wasserlei- 
tung, welche in einem ausgehöhlten und wegen etwaiger 
Verstopfung oben hin und wieder geöffneten Bambusrohre 
das Wasser aus weiter Entfernung aus einer Gebirgsquelle 



Frauen der T90wgruppe von Maransha 

herleitet und in ein Becken, das von einem hohlen Baum- 
stamme gebildet wird, ausfliessen lässt. Dieses Wasser 
dient nur zum Trinken, zum Waschen wird es aus dem 
Horsiaflusse geholt. 

Die Hauptlast der häuslichen Arbeiten ruht auf den 
Frauen; sie bestellen die Felder mit Reis, Hirse, Kartoffeln, 



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Bohnen und Tabak und bereiten die Mahlzeiten. Von Haus- 
tieren finden wir hier Schweine, Hühner und Hunde; letz- 
tere sind erbärmlich abgemagerte Jammergestalten, denen 
nur wenig Pflege zu Teil wird: ihr Futter besteht meistens 
nur aus den Eingeweiden des erlegten Wildes, die ihnen 
nach der Jagd vorgeworfen werden, um sie auf das Wild 
besonders scharf zu machen. Während die Frauen Haus- 
und Feldarbeit besorgen, beschäftigt sich die männliche 
Bevölkerung hauptsächlich mit Jagd. Der Ertrag der Fel- 
der, wie auch die Jagdbeute, sind Gemeindeeigentum und 
werden vom Häuptling den einzelnen Familien nach 
der Anzahl ihrer Mitglieder zugestellt. Der Häuptling 
überwacht mit Strenge die Heiligkeit der Familie und 
sieht überall auf Ordnung. In einer Hütte wohnt eine 
Familie, einschliesslich der Grosseltern, Mädchen und 
kleinen Kindern, in der Regel aus 10-12 Personen be- 
stehend, während die halbwüchsigen, jungen Burschen, 
in der sogenannten Hütte der Unvermählten unterge- 
bracht sind. Freit ein junger Wilder um ein Mädchen, so 
kann er es erst dann sein eigen nennen, wenn er sich 
auf der Jagd ausgezeichnet und mindestens zwei Men- 
schenschädel erbeutet hat, Die kleinen Jungen begleiten 
ihren Vater auf der Kopfjagd und seinen Jagdztigen, 
die sich oft auf mehrere Tage aufweite Entfernungen ins 
Hochgebirge erstrecken. Dabei kommt es nicht selten vor, 
dass sie mit fremden Stämmen wegen der Jagdgründe in 
Streit geraten, der oft einen blutigen Ausgang nimmt, in- 
dem er einen Kampf zwischen den betreffenden zwei Stäm- 
men entfaltet, der durch die Sitte der Blutrache einen be- 
sonders blutigen Ausgang nimmt. Das Wild sucht der Ein- 
geborene fast stets im Lager auf, indem er seine Spuren 
genau verfolgt. Als Jagdwaffe benutzt er ein von den Chi- 
nesen im Tauschverkehr eingehandeltes Sny der- Gewehr, 
das er sich aber für seinen Gebrauch erst herrichtet, indem 
er Schaft und Visier beseitigt, da ihm beides bei der Hand- 
habung unbequem ist. Deswegen kann er nur auf kurze 
Entfernungen schiessen; daneben sind noch Pfeil und Bo- 
gen im Gebrauch und werden sehr geschickt verwandt. 



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In Horsia befanden sich einige Malariakranke, zwei Er- 
blindete und mehrere Leute mit Kröpfen. Auch fand ich 
hier eine Hütte, in welcher neben Hirschschädeln, Affen- 
skeletten und sonstigen Kopftrophäen auch Menschenschä- 
del aufgespeichert waren. Sie stammten meist von den 
Todfeinden der Arisoas, den Chinesen, mit denen sie bis 
auf den heutigen Tag in Blutrache leben. Dieser Sport wird 
bei allen Stämmen gepflegt. Es soll dadurch das frühere 
Unrecht, welches die Chinesen vor 150 Jahren bei Erobe- 
rung der Insel an den Eingeborenen begangen haben, wie- 
der gesühnt werden. 

Nach dem Austausch der üblichen Geschenke, welche 
von Seiten der Wilden in getrocknetem Hirschfleich, Wild- 
schweinfleisch, einem halben Hausschwein und einem Huhn 
bestanden, setzten wir uns zur Bereitung der Mahlzeit nie- 
der. Als wir aber Eier verlangten, erklärten sie, das wir 
keine essen dürften, da dies ein Verbrechen sei. Nach ihrer 
Ansicht müssen alle Eier ausgebrütet werden, um stets für 
genügenden Nachwuchs der Hühner zu sorgen. 

Die Mahlzeit der Eingeborenen bestand zum grossen Tei- 
le aus Hirse, die sie zu Brei verkochten. Zum Würzen der 
Speisen verwenden sie eine Art spanischen Pfeffers. Als 
Fleisch gemessen sie hauptsächlich getrocknetes Hirsch- 
und Wildschweinfleisch, das in Wasser gekocht oder am 
Spiesse geröstet wird. Einen Thee bereiten sie sich aus den 
Wurzeln des Zimmtstrauches, den sie Tomagosogis nen- 
nen. Sehr schätzen sie den chinesischen und japanischen 
Reis, während sie selbst einen sogenannten Gebirgsreis 
anbauen, der jedoch nicht so wohlschmeckend ist. Sie 
bauen ihn ohne künstliche Bewässerung und ohne beson- 
dere Bearbeitung des Bodens. 

Doch wir müssen uns von den lukullischen Genüssen der 
Eingeborenen trennen, um weiterzukommen. Da der 
Häuptling des Arisoastammes mit dem Häuptling des Tom- 
bostammes, der in den Vorbergen des Mt. Morrison wohnt 
und dessen Gebiet wir passieren mussten, verwandt war, 
so benachrichtigte er denselben, um uns seinen Schutz, 
und Führung zu verschaffen. Es erschienen darauthin 



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schon am Nachmittage Leute vom Tombostamme, welche 
unsere Führung tibernahmen. Mit ihnen brach ich am 
nächsten Morgen, den 18. Dezember, nach Verabschiedung 
von den Arisoaleuten auf. Durch hohes Bambusgestrtipp, 
an Bergabhängen entlang, ging es wieder abwärts dem 
Tinlanke zu, der nach dem betreffenden Stamme den 
Namen Tombofluss führt. Vorher passierten wir noch 
Klein-Tombo, ein Dorf des Stammes gleichen Namens. Es 



Primitive Brücke über den Tombofluss 

ging dann den Fluss entlang, den wir, um die vielen Win- 
dungen abzuschneiden, mehrmals passierten, wobei wir ei- 
ne primitive Brücke zu überschreiten hatten. Verschiedene 
Male waren flussaufwärts die drei Gipfel des Niitakayama 
sichtbar, majestätisch hoben sie sich über die schwarzen, 
mit Nadelhölzern bedeckten Berge vom tiefblauen Himmel 
ab, die malerisch gegen die schneebedeckten Gipfel kon- 
trastierten. Bald erreichten wir auch das Hauptdorf 
Tombo, wo wir unsere Ankunft auf Veranlassung der 
Begleiter durch Signalschtisse anmeldeten und von der ge- 



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samten Bewohnerschaft des Dorfes Männer, Frauen und 
Kindern, die uns entgegenkamen, empfangen wurden. Der 
Häuptling verbeugte sich zeremoniell und schüttelte mir 
beide Hände, seine Leute stellten sich zu beiden Seiten des 
Weges auf und verbeugten sich ehrfurchtsvollst. Auf eine 
solche Huldigung dieser Naturkinder war ich keineswegs 
gefasst. Sie betrachteten mich mit neugierigen Blicken 
und geleiteten mich in ihr Dorf, aus dem lautes Hundege- 
bell entgegenschallte. 

Tombo ist ein malerischer, auf einem Bergvorsprunge^ 
in etwa 820 m. Höhe gelegener Ort, vom Tombo-und Gun- 
teiberg überragt und von herrlichen Bananenstauden und 
Laubhölzern umgeben. Er ist viel grösser wie Horsia und 
mag etwa 40 Hütten, mit etlichen 100 Einwohnern zählen. 
Ein Teil der Hütten war aus einfach aufeinander geschich- 
teten Flussbettsteinen erbaut und mit Schiefer gedeckt. 

Bei einem Mischling von Wilden und Chinesen wurde 
ich einquartiert. In der Hütte war ein chinesischer Kamin, 
der alles verräucherte; an der Decke hing eine Menge Af- 
fenskelette (Affenfleisch dient nämlich für Eingeborene 
wie für Chinesen als Lieblingsspeise). Vor der Hütte be- 
fand sich ein Brunnen, der ähnlich wie in Horsia sein 
Wasser aus den Bergen zugeführt erhielt. Zahlreiche Hüh- 
ner, Hunde und Schweine belebten die Dorfstrasse. Bald 
war ich von einer neugierigen Menge Wilden umringt, die 
alle meine Verrichtungen, besonders beim Essen, eifrigst 
verfolgten. 

Von einem der Häuptlinge wurde mir ein Freundschafts- 
trunk dargereicht, der aus Hirse gebraut war, und zwar 
musste ich zugleich mit ihm aus einer Schale trinken, .was 
wegen dem schmutzigen Gesicht meines neuen Kamera- 
den nicht gerade sehr appetitlich war. Kurz nach unserer 
Ankunft versammelte der Häuptling Noisi und der Stamm- 
aelteste Umashu die kriegsgeübten Leute und Jungen zu 
einer Beratung. Sie wurden von dem Ziele meiner Reise in 
Kenntnis gesetzt und die Leute, welche mitgehen wollten, 
aufgefordert, sich freiwillig zu melden, indem ihnen eine 
Belohnung dafür in Aussicht gestellt wurde. Daraufhin 



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meldeten sich 13 Eingeborene. Den Nachmittag benutz- 
ten wir noch zu den Reisevorbereitungen, indem wir Nah- 
rungsmittel eintauschten etc. Die Japaner suchten für die 
Bergbesteigung ihre Strohsandalen hervor. Jeder Wilde, 
d£r sich mir anschloss, war mit einem Snyder-Gewehr aus- 
gerüstet und hatte noch nebenbei 5 Patronen, die in einem 
verschlossenen Bambusköcher aufbewahrt wurden. Aus- 
serdem trugen sie vorn am Bauchgtirtel in einer hölzernen 
Scheide ein 0,50 m. langes Messer, das zu den verschiedens- 
ten Zwecken, zur Kopfjagd, zum Wegbahnen im Walde, zum 
Zerlegen des erbeuteten Wildes dient. 

Gegen Abend veranstalteten die Wilden noch eine Wild- 
schweinjagd, wobei drei Säue erlegt wurden, welche in die 
mit süssen Kartoffeln bebauten Aecker eingebrochen wa- 
ren und hier im Dämmerlicht beschlichen wurden. Auch 
wir erhielten ein Stück der Jagdbeute. 

Noch bevor wir aufbrachen, wurde ein Eingeborener zum 
Walde geschickt, um zu erforschen, ob die Vorzeichen für 
den Aufbruch gut seien. Dieses Orakel wird von den Einge- 
borenen in der Weise geübt, dass sie einmal darauf achten, 
in welcher Weise die Vögel davonfliegen, wenn sie aufge- 
scheucht werden und dann wie dieselben auf die Nachah- 
mungen der Vogelstimmen durch die Eingeborenen ant- 
worten. Das uns auf diese Weise zu Teil gewor d 
Orakel lautete nicht sehr günstig, aber trotzdem brachen 
wir auf. Und tatsächlich mussten wir, wie sich später er- 
geben wird, die Tour kurz Vor dem Ziele aufgeben, was 
wohl weniger auf das Orakel der Vögel als auf den Witte- 
rungsumschlag zurückzuführen war. 

Mit dem nötigen Proviant für etwa 5 Tage versehen, ver- 
liessen wir das Dorf und kreuzten zunächst denTombofluss, 
der hier ziemlich schmal zwischen steilem Felsenufer 
dahinschiesst. Rechts von uns bemerkte ich am Bergabhang 
einen bedeutenden Waldbrand, eine Erscheinung, welche 
sehr häufig vorkommt und absichtlich von den Eingebore- 
nen hervorgerufen wird, teils um bequemere Jagdgründe 
zu schaffen, teils um in der Nähe von Neuansiedlungen 
durch die dadurch gewonnene Asche billigen Dünger für 



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den Acker zu haben. Nach Ueberschreitung des Flusses 
stiegen wir auf einem schmalen steilen Pfade, der nur das 
Gehen hintereinander gestattete, und teilweise auf künstli- 
chen von Wilden angelegten Treppen hinauf. Manche 
Stellen mussten sehr vorsichtig passiert werden, da der 
Abhang nach der Talseite sehr steil und durch kurzes 
Gestrüpp verdeckt war. Nach etwa % stündiger Wanderung 
kamen wir an einen fast senkrechten, aus losem Schieferge- 
röll bestehenden Abhang, der mehrere 1000 m. tief nach 
der Flussseite abstürzte. Hier machten wir eine kurze Rast 
und waren von der uns sich bietenden wildromantischen 
Aussicht entzückt. Ueberall tropischer Pflanzenwuchs > 
Palmen, Bananen, Zimmetsträucher, von deren Wurzeln 
die Eingeborenen mir Stücke anboten, die mannigfachsten 
Laubhölzer, zum Teil mit Schlingpflanzen bewachsen, Bam- 
busstauden und mannshohes Kajasgras mit messerscharfen, 
länglichen Blättern, gegen die wir uns durch Handschuhe 
schützen. mussten. Tief unter uns der wildreissende Tono- 
fluss, wie das Gewässer hier heisst, das weiter unterhalb 
des « Tomboflusses Tinlanke benannt wird, mit dem fast 
senkrecht aufsteigenden Tombo Berg am jenseitigen Ufer. 
Wie Katzen kletterten die Wilden über den steilen Abhang 
hinüber und zwar so, dass jeder einzelne den anderen unter- 
stützte, indem sie sich einen langen Bambusstab einander 
zureichten. Einzelne Fusstapfen waren von den Wilden in 
der fast senkrechten Wand ausgetreten, da es keinen ande- 
ren Weg in dem Tale des Tonoflusses gab und dieser von 
ihnen auf ihren Jagdztigen regelmässig benutzt wurde. 
Besondere, von dem Stammältesten eingeschärfte Vorsicht 
schienen sie bei meiner Traversierung obwalten zu lassen ; 
es war auch nicht ein Leichtes, mit schweren Alpenschuhen, 
auf denen man sehr leicht ins Rutschen kam, diese etwa 
15 m. breite, gefährliche Stelle zu passieren. Hätten wir ein 
Seil gehabt, so wäre dieses Hinderniss leicht zu nehmen 
gewesen. Statt dessen musste ich mich vollkommen den 
Wilden anvertrauen, die mir auch sehr sorgsam halfen. 
Derartige gefährliche Felswände von 3—4 m. Breite gab 
es noch des öfteren zu tiberwinden. 



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Gegen 11 Uhr befanden wir uns in einer Höhe von 1150 m. 
und bei der Biegung des Pfades kamen wir über einen klei- 
nen Steg nach einer herrlichen, mit Moos und Farrenkräu- 
tern bewachsenen Felswand, über die sich plätschernd 
krystallhelles Quellwasser ergoss. Der anstrengende Marsch 
hatte bereits viel Schweiss gekostet, sodass wir hier eine 
längere Rast machten. Darauf stiegen wir zum Flussbett 
herab, kletterten über quer um herliegende Baumstämme, 
die vom Hochwasser heruntergeschwemmt waren, und 
verfolgten den Flusslauf aufwärts über Geröllhalden 
und Felsblöcke hinweg. Meine Alpenschuhe, die vorher 
beim Klettern hinderlich waren, kamen mir hier sehr 
gut zu statten. So erreichten wir um 1 Uhr eine Höhe 
von 1300 m. Auf dem rechten Ufer des Flusses trafen 
wir eine heisse Quelle von 70° Celsius, die unter mächt- 
igen Basaltfelsen an verschiedenen Stellen hervorquoll, 
teils in dem Flusse selbst, wo sich das kalte Wasser 
mit dem warmen vermischte, teils an einem Basaltfelsen, 
der sich 5—6 m. hoch am Ufer erhob. Das Wasser ist 
wohlschmeckend und wird von den Wilden zu Badezwecken 
mit Vorliebe benutzt. Zu beiden Seiten des Flusses war 
Laubwald vorherrschend. Wir passierten jetzt einen liebli- 
chen Wasserfall, der sich etwa 100 m. über aufeinanderge- 
türmte Blöcke hinweg von der rechten Seite des steilen 
Flussbettes in dieses herabstürzte. Die wildromantische 
Scenerie, Urwald, Schlinggewächse, herabgestürzte Bäu- 
me, Spuren vom Wilde, die man zahlreich rechts und links 
im Flussbette fand, erhöhten den Reiz dieser unvergleichli- 
chen, wilden Landschaft. Ueberall herrschte lautlose Stille, 
nur zuweilen durch das Aufflattern verschiedener Vögel, 
Schnepfen, Wildtauben und Reiher von kleiner Figur und 
weisser Farbe unterbrochen. Die Tag war ziemlich 
drückend und die Erfrischungen bestanden in einem kalten 
Kakaogetränk mit Zusatz von etwas Kognak, ein als vor- 
züglich erprobtes Mittel gegen Malaria. Ein chinesischer 
Kuli, den wir als Träger mithatten, war auch schon wieder 
von dieser erfasst und musste umkehren, was er nur sehr 
ungern tat, wegen der Gefahr, mit jagenden Eingeborenen 



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"*^! 



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zusammenzutreffen und seinen Kopf aufs Spiel zu setzen. 
Ich war deshalb wegen seines Lebens beunruhigt und 
schleppte ihn solange mit, als es ging. Zum Glücke begeg- 
neten uns bald darauf drei Tombo-Jäger, die von der 
Hirschjagd zurückkehrten. Diese nahmen ihn auf meine 
Veranlassung nach dem Dorfe Tombo zurück. Unterwegs 
machten wir verschiedene Male Rast. Besonders war es 
der chinesische Koch, der sich in einem beständigen Opium- 
dusel befand, allerdings hatte er eine schwere Last und 
zwar den Proviant in zwei zerlegbaren Körben auf einem 
Tragholz zu tragen. 

So ging es in Schlangenlinien unter Führung der Wilden 
weiter, indem wir alten Fussspuren folgend bald auf dem 
rechten, bald auf dem linken Ufer des Flusses entlangzo- 
gen. Unterwegs blieben die Eingeborenen des öfteren stehen 
als suchten sie etwas. Beim aufmerksamen Zusehen merkte 
ich, wie sie ihre Messer herauszogen, das im Flussbette 
liegende, angeschwemmte Kiefernholz ia schmale Stücke 
spalteten und es in ihren vorn quer tiberhängenden Sack 
steckten. Es war ein ausgezeichnetes harziges Kienholz, das 
in ziemlicher Menge aus den noch weiter oben liegenden 
Tannenwäldern angeschwemmt war. Es wird hauptsächlich 
bei Nacht als Fackel oder zum Feueranmachen beim Ko- 
chen verwendet. Kurz nach 2 Uhr, nach einem über 5 sttin- 
digem Marsche erreichten wir eine Höhe von 1500 m. und 
bauten an einer etwas erhöhten Stelle des Flussbettes, 
ziemlich nahe an dem steil aufsteigenden Waldrande in 
grosser Eile eine Hütte, die uns zum Nachtlager dienen 
und Schutz gewähren sollte. Und zwar hatten die Einge- 
borenen darin eine Fertigkeit, die mich und die Japaner 
in Erstaunen setzte. 

Zwei über armsdicke junge Kiefern wurden gefällt, an 
einer günstig gelegenen Stelle gabelförmig tibereinander- 
gelegt, mit Bambusbast an den Kreuzungsstellen zusam- 
mengebunden, nach hinten zu von einem dritten Baume 
gestützt und endlich die seitlichen Zwischenräume an dem 
so geschaffenen Gestell mit Aesten und Bambusgras aus- 
gefüllt, während der Fussboden der Hütte gleichfalls da- 



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mit gepolstert wurde. Ueber dieses Gras breitete ich mei- 
nen Regenmantel, um mich gegen die nächtliche Feuch- 
tigkeit zu schützen. Mitgebrachte wollene Decken dienten 
zum weiteren Schutze und der unbequeme Tropenhelm 
und die Bergschuhe wurden abgelegt und mit Mütze und 
Pantoffeln vertauscht. Vor der Hütte wurde ein Feuer ge- 
macht, wobei sich die Wilden des mitgebrachten Kienholzes 
bedienten. In unmittelbarer Nähe errichteten sie für sich 
gleichfalls eine Hütte. Jetzt kochten wir ab und nahmen 
unser Mahl ein. Dies bestand für uns in einer kräftigen 
Htihnersuppe, dann gab es Reis mit Huhn, als dritten Gang 
Wildschweinfleischstticke am Bambusstock gebraten und 
zum Schlusses Kakao mit Orangenmarmelade. Die Wilden 
kochten sich aus süssen Kartoffeln einen Brei und ausser- 
dem eine Fleischbrühe, indem sie von ihrem mitgebrachten 
getrockneten Hirschfleisch kleine Stücke abschnitten und 
siedeten. Salz scheint bei ihnen ein seltener Artikel zu 
sein, weshalb sie mich häufig darum baten. Nach der Mahl- 
zeit wurde Geschirr und Pfannen am Flusse gereinigt und 
verpackt und während sich dann die Wilden im Halbkrei- 
se um ein Lagerfeuer kauerten, besah ich mir die nächste 
Umgebung und machte einige photographische Auf- 
nahmen. 

Gegentiber dem Lager auf dem rechten Ufer des Flusses, 
hörte man das Rauschen eines wildromantischen Wasser- 
falls, der sich von einer 500 m. hohen Felswand herunter- 
stürzt. Der Himmel war leichbewölkt und die Gipfel des 
Berges glänzten im hellen Sonnenschein. Der Mond im 
letzten Viertel vor Vollmond war bereits erschienen u. 
stand senkrecht über uns in der Schlucht. In nächster Um- 
gebung standen in einer Höhe von 1600 m. vereinzelte 
Nadelhölzer, doch vorherrschend waren die Laubbäume, 
besonders der Ahorn, dessen Blätter in mannigfaltiger 
Färbung vom Hell-und Dunkelbraunen bis zum Karminro- 
ten variierten. Ein Teil der Wilden hatte uns inzwischen 
verlassen und war abseits in den Urwald auf einen nächt- 
lichen Jagdzug ausgegangen. Die übrigen sassen in 
gemütlicher Stimmung um das Feuer, sich die Hände 



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wärmend und mit dem Rauchen ihres Pfeifchens beschäf- 
tigt. Dies war aus Holz geschnitzt, mit einem Mundstück 
aus Rohr versehen und wurde mit selbstgezogenem Tabak 
gestopft. Auch waren sie meinen Cigaretten nicht abhold, 
mit denen ich ihnen eine besondere Freude bereiten konn- 
te. Schon sehr früh, bereits um 8 Uhr, legten wir uns zur 
Nachtruhe nieder, um uns für die kommenden Strapazen 
zu kräftigen. 

Dienstag den 20. Dezember. 

Während der Nacht wurde ich durch einen vom Bergab- 
hange herabkollernden kleinen Stein, der durch das Dach 
der Hütte auf mein Lager fiel, gestört. Auch wurden wie- 
derholt Schüsse vernommen, die von denen am Abend zur 
Jagd aufgebrochenen Eingeborenen herrührten. Wir erho- 
ben uns schon sehr früh vom Lager; nachdem wir ge- 
frühstückt und ich noch eine Photographie aufgenommen 
hatte, verfolgten wir die wildromantische Schlucht auf- 
wärts. Die Nadelhölzer wurden zahlreicher, verschiedenar- 
tige Tannenbäume, denen Mexicos nicht unähnlich, von 
nahezu einem Meter und mehr Durchmesser erhoben sich 
bis zu 60 und 70 M. Höhe und zahlreiche Ahornbäume und 
Eichen traten gemischt auf. So passierten wir bei einer 
Temparatur von 18° Celsius zwischen 9 und 10 Uhr den 
Fuss eines dem Mt. Morrison vorgelagerten Berges, Pat- 
takwan Omen genannt, ferner eine Schlucht, durch die eine 
Spitze des Mt. Morrison nur undeutlich in Wolken verhüllt 
zu erkennen war. Hier war Schiefergeröll, bis zu 4 m. 
aufgehäuft und einzelne mächtige Baumstämme, meistens 
Tannen von 2-3 m. Durchmesser hinderten den Weg. Wir 
hielten uns jetzt links und folgten von hier dem nördlich 
fliessenden Flusslauf, welcher sich sehr verengte. Zwei 
lieblich übereinanderliegende Wasserfälle mussten wir auf 
einem schmalen, engen Waldpfade, der sich an den steilen 
Uferabhängen hinzog, tiberklettern. Dies gelang auch 
glücklich nach einer halben Stunde, indem wir teils auf 
dem Bauche kriechend einen nur notdürftigen von den 



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Eingeborenen gebahnten Weg folgten, teils die Felsen mit 
Hüte unser 2 m. langen Bambusstöcke erklommen. 

Wir waren mit Rast etwa 3 V2 Stunde unterwegs und 
befanden uns um 12 Uhr 15 Min. in einer Höhe von 2500 m. 



Auf dem Wege zwischen Tombo und Pattakwan 

Nach zahlreichen Schluchten, in denen sich frische Spuren 
von Hirschen und Wildschweinen fanden, bogen wir jetzt in 
eine rechts vom Wege sich befindende andere, die mit zahl- 
reichen Eiszapfen besetzt war, welche hinter Gestein und 
Geröll hervorblickten. Die Wilden und auch ich kühlten 
den Durst an diesem, in den Tropen so selten vorkommen- 



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den Eise. Der Weg wurde nun inmmer beschwerlicher, bis 
wir schliesslich Halt machten, da nicht ungefährliche Stel- 
len an der fast senkrechten, aus Schiefer bestehenden 
Schlucht zu bewältigen waren. Die Grossartigkeit der 
Wildniss zeigte sich in dem Chaos entwurzelter Bäume, die 
von Moosen und Schlingpflanzen überwuchert waren. Hier 
waren die Nadelhölzer vorherrschend, vor allem imponier- 
te mir eine mächtige nahezu 100 m. hohe Tanne, an deren 
Nadeln phantastisch lang herabhängende Flechten sich 
angesetzt hatten. Auch Kiefer und Weisstanne waren 
häufig. 

Nach diesem beschwerlichen Aufstieg des von uns nun 
fast 8 Tage lang verfolgten Flusslaufes erreichten wir um l 
Uhr in einer Höhe von 2700 m. die Wasserscheide. Wie wir 
schon oben erwähnt haben, wird nicht allein der Berg, 
sondern die ganze Umgebung Pattakwan genannt. Sie bil- 
det ein ziemlich ausgedehntes, nur spärlich mit Bäumen 
bewachsenes, leicht gewelltes Hochplateau. Mehrere Berge, 
die ich noch weiter unten beschreiben werde und die sich 
auf einer von uns mitgenommenen japanischen General- 
stabskarte nicht eingezeichnet fanden, erheben sich zu einer 
Höhe von 3-4000 m. Oben auf dieser Wasserscheide steht 
ein mit einer breiten Krone geschmückter 15 m. hoher 
Tannenbaum von eigentümlicher Form, der ausgehöhlt ist 
und in dessen Inneres ich einen Stein als Zeichen meiner 
Anwesenheit niederlegte. Unsere Rast war nur von kurzer 
Dauer, da die Aussicht plötzlich durch herabfallende Wol- 
ken versperrt wurde. Das weisse Gestein, Quarzit, nahm 
sich zwischen dem Gras von weitem wie Schnee aus. Die 
Wilden brannten hier das über Fuss hohe Bambusgras auf 
weite Strecken ab, die von schmalen Fusspfaden in östlicher 
und nördlicher Richtung durchquert waren. Hier oben 
wohnt auch der mit den Tomboleuten befreundete Stamm 
Toaronshia, zu dem zwei Eingeborene abgesandt wurden» 
um unsere Anwesenheit, besonders aber unsere friedlichen 
Absichten anzumelden. 

Um einen geeigneten Lagerplatz auszusuchen, verlies- 
sen wir das Plateau und begaben uns in den oberen Teil 



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des nach Osten gerichteten Flusstales des Paffasassun et- 
wa bis zu 2500 m. hinab, wo wir an dem krystallklaren 
Wildbach, der von schroffen mit Tannen und Bambusgras 
bewachsenen Felswänden eingefasst ist, eine günstige Stel- 
le fanden. In unmittelbarer Nähe befand sich auch eine 
Jägerhütte, die bequem für 15 oder 20 Personen Raum hatte. 
Anstatt mit Laub und Aesten war sie mit Baumrinde be- 
deckt um bei schlechtem Wetter besseren Schutz gewähren 
zu können. Heute bauten wir uns jedoch zwei neue, ähnlich 
der am Tomboflusse. Mein Barometer schien bedeutend zu 
schwanken und der bis dahin leicht bewölkte Himmel wur- 
de mehr und mehr von Wolken eingehüllt. Alles schien auf 
schlechtes Wetter zu deuten. Die zwei Hütten waren bald 
fertiggestellt und die Speisen in der früher beschriebenen 
Weise zubereitet; die Japaner kochten sich Reis mit ge- 
dörrtem Hirschfleisch und die Wilden einen Hirsebrei, der 
unserem Brot nicht unähnlich schmeckt, während ich, wie 
gewöhnlich Kakao genoss und mir heute, kurz vor dem 
Ziele eine Büchse Sauerkraut mit Schweinefleisch kochte. 
Gegen 7 Uhr, als wir es uns in den Hütten schon gemüt- 
lich zu machen suchten, kehrten die von uns um 8 Uhr 
nachmittags abgeschickten Tombo- Wilden mit drei Leuten 
des nicht allzuweit wohnenden Toaronshia-Stammes zurück. 
Die in meiner Gesellschaft befindlichen Japaner Ishida und 
Ito befanden sich in der benachbarten Hütte, während ich 
mit meinem chinesischen und Wilden-Dolmetscher die an- 
gekommenen Eingeborenen begrüsste. Die Toaronshia- 
Leute schienen über Zweck und Absicht unserer Reise 
sehr misstrauisch zu sein. Der Häuptling machte einen 
fast drohenden Eindruck. Nach den Lauten und Gebärden 
zu schliessen, konnte er es nicht begreifen, dass wir einen 
bezopften Chinesen, mit denen sie auf Blutrache leben, in 
unserer Expedition mitbrachten. Gegen die Japaner und 
mich schien er nach den Auseinandersetzungen der Tom- 
boleute weniger Groll zu hegen, zumal wir ihm zu ver- 
stehen gaben, das wir auch für ihn Geschenke mitgebracht 
hätten. Durch Vermittlung des chinesischen Dolmetschers 
entwickelte sich zwischen mir und dem Häuptling bald ein 



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interessantes Gespräch. Dieser fragte nämlich, ob er nicht 
nach Landessitte einem unserer chinesischen Kuiis den 
Kopf abschneiden dürfe. Ich bedeutete ihm, dass ich meine 
zum Teil ausserdem erkrankten chinesischen Kulis, aus die- 
sem Grunde zurückgesandt hätte und bloss noch im Besitze 
eines Chinesen sei, dessen Kopf ich unter keinen Umstän- 
den entbehren könnte, da er als Dolmetscher für die Wil- 
densprache in meinem und in Linkipo ftn Bukunshio in 
Diensten der Japaner stände, wo er stets den Verkehr mit 
den wilden Stämmen vermittelte und öfters das ihnen so 
seltene unentbehrliche Salz in die Berge liefere. Auch 
könnte ich ohne ihn nicht Weiterreisen und sein Verlust 
wäre für mich ein empfindlicher. Mein chinesischer Dol- 
metscher berichtete mir selbst das Verlangen des Wilden 
nach seinem Kopfe mit ängstlicher Spannung. 

Zunächst gab ich jedem dieser Toaronshia-Leute ein Pa- 
ketchen Cigaretten und bald wurden die fremden Gäste zu- 
traulicher. Der eine schien an meinem Tropenhelm beson- 
deren Gefallen zu finden, setzte ihn auf und tanzte auf 
einem Beine; der andere verschlang mit neugierigen Bü- 
ken meine Bergschuhe und wog sie in den Händen, offen- 
bar kamen sie ihm schwer vor, auch zog er sie an, aber ihr 
Nutzen schien ihm ein Rätsel, denn die Eingeborenen selbst 
gehen zu Hause barfuss, und für grössere Streifztige in das 
Gebirge legen sie leichte, aus Hirschleder verfertigte San- 
dalen an. Besondere Achtung schienen sie vor meinen 
Schusswaffen zu haben, und ich erklärte mich bereit, ihnen 
morgen den Mechanismus zu beschreiben und sie von der 
Leistungsfähigkeit derselben zu überzeugen. 

Gerade als ich mich kurz nach 8 Uhr vor meinem Lager- 
feuer ausstreckte, um von des Tages Strapazen auszuruhen 
und wie gewöhnlich einige Chininpillen eingenommen 
hatte, kamen die beiden Japaner in meine Hütte und be- 
deuteten mir mit ernsten Mienen, es sei unter den Tombo- 
levten eine allgemeine Unruhe ausgebrochen, hervorgeru- 
fen durch ein Geräusch an der gegenüberliegenden Fels- 
wand. Ich erhob mich sofort, trat vor die Hütte und 
lauschte hinaus in die dunkle Nacht, konnte aber weiter 



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nichts vernehmen, als das Knistern des Lagerfeurs, dessfen 
roter Schein nur die nächsten Sträucher erhellte. Wahr- 
scheinlich hatte ein losgelöster Stein oder ein durch den 
Feuerschein aufgeschreckter Vogel das von den Wilden 
vernommene Geräusch verursacht. Trotzdem liess ich mir 
sofort die beiden Häuptlinge des Toaronshia-und Tombo- 
stammes kommen, um sie auszukundschaften und zerstreute 
ihre Befürchtungen wegen eines nächtlichen Ueberfalles 
der auf Blutrache mit ihnen lebendfen Tappangs. Diese, die 
auch im Mt. Morrisongebiete ihre Jagdgründe haben, hat- 
ten nämlich, wie mir nun der Häuptling des längeren aus- 
einandersetzte, vor nicht langer Zeit auf der Jagd einen 
Tombojäger getötet und dessen Leute sich gerächt, indem 
sie wieder zwei Tappangleute umbrachten. Nach Stam- 
messitte mussten nun 4 Tomboleute als Opfer gefordert 
werden. Diese Tatsache war mir bis jetzt noch nicht be- 
kannt, jedoch Grund genug zu sofortigen Vorsichtsmass- 
regeln, zumal die Tomboleute meine Führer waren und ein 
etwaiger Uebeifall für uns alle hätte verhängnisvoll werden 
können.* Sofort wurden Waffen und Munition revidiert, 
meine Mauserselbstladepistole umgeschnallt und zwei Si- 
cherheitsposten auf dem Pfad, den wir gekommen waren, 
oberhalb des Lagers aufgestellt. 

Neben meinem Repetiergewehr, Modell 1898, besass ich 
noch einen Mauserkarabiner mit etwa 50 Patronen. Zu 
meiner freudigen Ueberraschung machte ich ferner die 
Entdeckung, dass meine Mauserpatronen auch in die 
Gewehre der Wilden passten und verteilte daher etwa 15 
Patronen unter sie, forderte sie jedoch am nächsten Tage 
wieder zurück. Nach und nach schien sich wieder alles 
zu beruhigen, doch mit der Nachtruhe war es vorbei. 

Zunächst zog ich mir wieder die Bergschuhe an und 
innerhalb meiner Hütte wurde die Laterne aufgehängt, 
während die beiden Japaner und ich am brennenden Holz- 
feuer abwechselnd die Nachtwache, stets zu zweien, tiber- 
nahmen. Meine weiteren Anordnungen gingen noch dahin, 
falls wir einer Uebermacht weichen müssten, den Rückzug 
nur auf dem Pfade zu nehmen, den wir gekommen waren. 



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Nach einer Weile liess ich die beiden Japaner allein am 
Feuer zurück und kroch in die Hütte und siehe da, mein 
chinesischer Koch hatte es sich daselbst bequem gemacht 
und lag bereits fest in Morpheus Armen, offenbar durch 
Opium berauscht, unbekümmert, welche Ueberraschungen 
ihm eventuell noch bevorstehen könnten. Als ich wieder 
aufwachte, sprangen gerade zwei Mäuschen über mich 
hinweg. Erst glaubte ich zu träumen, doch es war Wirk- 
lichkeit; diese Tierchen, durch das warme Lagerfeuer 
hinter Stein und Fels hervorgelockt, suchten nach Spei- 
seresten und liefen ungeniert herum. Für Chinesen und 
Wilde sind sie ein Leckerbissen und werden, am Feuer 
geröstet, mit Haut und Haaren verzehrt. Während der 
Nacht beobachtete ich wiederholt beim matten Schein des 
Lagerfeuers den Barometer, der ganz erheblich gefallen 
war. Der Himmel war bewölkt und vergeblich spähte ich 
nach einem Stern aus. Die Wilden hatten schlechtes Wetter 
vorausgesagt und das Orakel, das sie vor unserer Abreise 
in Tombo fragten, sollte schliesslich doch Recht bekommen. 

Mittwoch, den 21. Dezember. 

Immer noch hoffte ich auf gutes Wetter, denn kurz vor 
dem Ziele umkehren zu müssen, wollte mir nicht in den 
Sinn. Um 5 Uhr in der Frühe, als es zu dämmern anfing, 
wurde abgekocht und die nächsten Vorbereitungen zur 
Besteigung des Mt. Morrison getroffen. Nach 8-9 Stunden 
wollten wir wieder von der höchsten Spitze zurück sein, 
doch schon fielen die ersten Regentropfen. Bis dahin, seit 
dem 4. Dezember, unserem Aufbruche von Twatutia, war 
das Wetter stets günstig gewesen. Nun blieb weiter nichts 
übrig, als abzuwarten, doch die Aussichten wurden immer 
trostloser. Der Regen fiel derart in Strömen, dass auch 
die Hütten uns keinen Schutz mehr gewähren konnten. 
Die Toaronshia- Wilden, die sich gleichfalls unserer Bestei- 
gung anschliessen wollten, kehrten nach ihrem Dorfe 
zurück und meine Tomboleute schickten sich gleichfalls 
an umzukehren. Letztere konnte ich nur durch Verspre- 
chungen von ihrem Vorhaben zurückhalten, indem ich sie 
bat, doch wenigstens den morgigen Tag noch abzuwarten. 



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Unsere alten Lagerstätten wurden infolge des Regens 
schleunigst verlassen und mit der bereits erwähnten Jä- 
gerhtitte vertauscht, die für alle genügend Raum bot und 
auch infolge ihrer Bedeckung mit Baumrinde hinreichend 
gegen den Regen schützte. Von den Tomboleuten kehrten 
drei nach dem Dorfe zurück, um Bericht zu erstatten, dass 
wir alle wohl und munter aber kurz vor dem Ziele einge- 
regnet seien. Ich hatte jetzt Gelegenheit, mich eingehender 
mit den Wilden zu beschäftigen. Sie erklärten, dass eine 
Besteigung des Mt. Morrison bei solchem Wetter ein Ding 
der Unmöglichkeit sei, denn Regen hier unten, bedeute 
Schnee auf den Gipfeln des Berges und gaben durch Gesten 
und Gebärden zu verstehen, dass es ihnen hier oben zu 
kalt wäre, da sie nichts zum Schutze der Beine und Hände 
hätten. Ich hatte mehrere Paare wollene Handschuhe und 
mehrere lange Strümpfe mit und versprach jedem ein Paar 
davon zu geben. Der Häuptling versicherte mir, man könn- 
te nicht wissen, wie lange das schlechte Wetter anhalten 
würde. Auch seien die Nahrungsmittel bald zu Ende, aber 
zwei der Leute waren doch bereit, trotz des schlechten und 
nebligen Wetters, falls ich es wünschte, die Besteigung 
mit mir allein zu unternehmen. Die Japaner hatten längst 
die Lust verloren, denn auch sie sind gegen Kälte und 
Schnee sehr empfindlich. Deshalb suchten sie mich zu 
bestimmen, wieder umzukehren, da ja die Besteigung doch 
aussichtslos sei. Als der Regen nachliess, schöpfte ich 
wieder Hoffnung: und im Laufe des Nachmittags hatte es 
den Anschein, als ob sich das Wetter autklären wollte. 
Die Sonne machte Anstrengungen, hinter den Wolken her- 
vorzubrechen, jedoch schon nach kurzer Zeit wieder be- 
fanden wir uns in Regen und Nebel ; ersterer setzte derart 
ein, dass ich schon mit der Möglichkeit rechnete, mehrere 
Tage hier oben bleiben zu müssen. Wir konnten nicht mehr 
aus der Hütte heraus, denn der Wildbach war riesig an- 
geschwollen und stürzte tosend und schäumend an uns 
vorbei. Noch während der ganzen Nacht rasselte der 
Regen in Strömen herab. An manchen Stellen regnete es 
durch das Rindendach hindurch; die schadhaften Stellen 



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wurden von den Eingeborenen gleich mit in der Hütte bereit- 
liegenden Reservestticken ausgebessert. Aber die Gefahr, 
von den feindlichen Tappangs tiberfallen zu werden, war 
wenigstem von uns genommen und beruhigt konnten wir 
uns der Nachtruhe hingeben, die wir die Nacht zuvor so 
schmerzlich entbehren mussten. 

Donnerstag den 22. Dezember. 

Als ich am nächsten Morgen früh in Wolken und Regen 
gehüllt den Barometer hervorholte, bemerkte ich ein 
fortwährendes Steigen und Fallen innerhalb ganz kurzer 
Zeit, sodass auf einen Umschlag io der Witterung zum 
Besseren zu hoffen war. Aber meine Begleiter hatten die 
Lust verloren, un d usserdem waren die Nahrungsmittel 
beinahe aufgebraucht. Deshalb fügte ich mich, wenn auch 
mit schwerem Herzen, in mein Schicksal und gab die Be- 
steigung auf. Es war morgens 3 /4 8 Uhr, als wir uns auf 
den Rückweg machten. Der Regen hatte völlig aufgehört, 
der Himmel war leicht bewölkt und als das Barometer 
innerhalb weniger Minuten fast zwei Millimeter in die 
Höhe ging, war ich wieder unschlüssig und wollte die Be- 
steigung dennoch versuchen. Da machte uns das launische 
Wetter schon wieder einen Strich durch die Rechnung und 
unter solchen Umständen hatte schliesslich auch ich die 
Lust verloren. Unsere Expedition bestand jetzt nur noch 
ausser mir aus 7 Eingeborenen (drei hatten sich gleich im 
Anfang bei Gelegenheit eines Jagdstreifzuges verloren 
und drei waren Tags zuvor nach Tombo zurückgeschickt 
worden), zwei chinesischen Kulis und den beiden Japanern. 

Denselben Weg, den wir gekommen waren, schlugen wir 
in umgekehrter Richtung über das in dichtem Nebel ge- 
hüllte Hochplateau Pattakwan ein, während der Blick nach 
Westen der Ebene zu frei war, aus der sich zahlreiche 
Regenwolken in die Höhe auf uns zu bewegten, da wir 
über den Wolken standen. Dies war offenbar ein günstiges 
Zeichen für bevorstehendes gutes Wetter. Schon nach 1 */-' 
Stunden erreichten wir in einer Höhe von 1800 m. unseren 



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alten Bekannten, den Tonofluss, an dem entlang wir 
abwärts stiegen. An einem Wasserfall, der hier vom Tash- 
ban gebildet wird, wie der obere Teil des Tonoflusses 
heisst, stand eine ganz neue Hütte, die wahrscheinlich von 
den Wilden, die wir gestern zurückgesandt hatten, als 
Nachtquartier erbaut war. Der Abstieg ging sehr rasch 
von statten. Wir machen verschiedene Male Rast, passier- 
ten unsere alten stehengebliebenen Hütten, und als eben 
die Sonne unterging und die letzten Strahlen den Gipfel 
des Tombo-Berges umspielten, langten wir an jenen steilen 
Geröllhalden an, die uns auch schon auf dem Hinwege 
solche Schwierigkeiten in den Weg gelegt hatten. Aber 
auch das letzte Hindernis war genommen und auf Bitten 
der Wilden gab ich einen Signalschuss ab, der unsere An- 
kunft melden sollte. Die Japaner waren ganz erschöpft 
und schienen wegen der schnellen Gangart, die ich an- 
schlug, ärgerlich. Schon kurz nach 7 Uhr erklomm ich die 
steilen Ufer des Tombo-Fiusses, wo ich nur noch einige 
100 m. vor dem Dorfe Halt machte, um auf die Zurückge- 
bliebenen zu warten. 

Es fing bereits an zu dämmern, als wir in Tombo anlang- 
ten. Sämtliche Bewohner des Dorfes, Frauen und Kinder, 
standen vor ihren Hütten, um uns zu begrtissen. Auch 
Herr Greiner war mir entgegengekommen, neugierig nach 
dem Resultate sich erkundigend. Nur mit grosser An- 
strengung konnte ich meinen A erger vorbergen, dass ich 
nach so vielen Mühen und Strapazen so kurz vor dem Ziele 
umkehren musste. Den Japanern war der Ausgang unse- 
rer Expedition ziemlich gleichgültig, indem sie erklärten, 
dass sie für vieles Geld diese Tour nicht noch einmal un- 
ternehmen würden. Herr Greiner suchte mich zu trösten 
und bald war ich bei einem Gläschen Sekt und sonstigen 
Erfrischungen, die er bereit hielt, ausgesöhnt. Auch der 
Stammälteste und die übrigen, Dorfbewohner umringten 
mich und zogen mich fort von Hütte zu Hütte, um mich in 
den einzelnen Familien zu zeigen. 

Nach den gemeinschaftlich bestandenen Strapazzen waren 
sie wie die Kinder ganz zutraulich und schienen mich wie 



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einen ihrer Stammesgenossen zu betrachten. Die meisten 
Frauen in den Hütten bereiteten in steinernen Gefässen für 
die hungrig Zurückkehrenden den Gebirgsreis. Auch wur- 
de mir wiederholt das von ihnen aus Hirse hergestellte 
Getränk, «Napus» genannt, angeboten, das ich, um nicht 
unhöflich zu sein, nach der Landessitte mit dem Geber 
gemeinschaftlich trank. 

Händeringend kam mir eine ältliche Frau mit einem 10 
jährigen Jungen entgegen und flehte mich an, dem Kinds 
zu helfen. Dasselbe hatte hohes Fieber, war in eine Decke 
gewickelt und klapperte mit den Zähnen. Zunächst kräftig- 
te ich es durch ein Glas Kognak und gab ihm eine gehörige 
Dosis Chinin. 

In meiner Hütte beriet ich nun mit Herrn Greiner wegen 
einer neuen Tour und ob er Lust hätte mitzukommen. Aber 
davon wollte er selbst gegen eine grosse Belohnung nichts 
wissen. Auch mit ihm hatten sich die Eingeborenen des 
Dorfes vertraut gemacht, indem sie ihm anboten, ihn zum 
Häuptling zu machen, was er aber dankend ablehnte, da er 
schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Allerdings waren 
dies die Wilden Nordformosas^ welche wie erwähnt, die 
chinesischen Arbeiter bei einem Kampferofen überfallen 
und ihnen die Köpfe abgeschnitten hatten. Deshalb war 
Herr Grein er stets sehr skeptisch vor diesen scheinbar 
harmlosen Natursöhnen und ertheilte mir des öfteren 
Ermahnungen, mich mit ihnen nicht allzusehr vertraut 
zu machen Auch erzählte er mir ein persönliches Er- 
lebnis mit den Wilden Nordformosas, die in den Dis- 
trikten des Mt. Silvia ihre Wohnsitze haben. Hier stand 
er mehrere Jahre in Diensten eines deutschen Kauf- 
manns, des Grafen Buttler, der vor dem japanischchi- 
nesischen Kriege ein nicht unbedeutendes Kampferge- 
schäft betrieb. Nach diesem für die Chinesen so unglückli- 
chen Kriege, der mit der Abtretung Formosas an Japan 
endigte, machten die Japaner den Versuch das Kampfer- 
geschäft zu monopolisieren, was sich jedoch nicht verwirk- 
lichen Hess, denn wiederholte Expeditionen nach den 
undurchdringlichen Urwäldern, in denen das kostbare 



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Kampferholz wächst, waren gegenüber den viellachen 
Ueberfällen und Beunruhigungen durch die eingeborenen 
Kopfjäger machtlos. So haben denn auch in den letzten 
Jahren die Japaner das Kampfer-Monopol an eine Privat- 
gesellschaft verpachtet. Herr Greiner war durch seinen 
Verkehr mit den eingeborenen Stämmen Nordformosas 
mit deren Lebensweise und Gewohnheiten vollkommen 
vertraut. Er unterhielt neben den vom Grafen Buttler 
betriebenen Kampferöfen auch solche ziemlich weit vor- 
geschoben in gefährlichen Distrikten für eigene Rechnung. 

Trotzdem er unter den Wilden genau bekannt war und 
letzere ihm wiederholt versprechen mussten, seine eigenen 
chinesischen Kulis, die er nur für schweres Geld bei seinen 
Oefen anstellen konnte, kein Leid anzutun, so fand er doch 
eines Morgens seine sämtlichen Arbeiter ohne Köpfe in 
einer Blutlache vor. Für Greiner war dies ausserdem ein 
bedeutender Verlust, da die eingerichteten Kampferöfen 
verlassen blieben und infolge dieses Ereignisses keine chi- 
nesischen Arbeiter mehr für die Unterhaltung der Oefen zu 
bekommen waren. 

Herrn Gfeiner selbst haben die Eingeborenen nie etwas 
zu Leide gethan. Er war ein Badener Kind, Sohn eines Zim- 
mermanns aus der Gegend des Bodensees, eine jener aben- 
teuerlichen Gestalten, welche unzufrieden mit sich selbst, 
beständig bestrebt sind, in den verschiedensten Verhält- 
nissen ihr Glück zu machen. Nachdem er vier Jahre in Kehl 
bei den Pionieren mit Auszeichnung seine Militärdienst- 
zeit beendet hatte, trieb ihn sein unruhiger Geist nach Al- 
gier in die Fremden-Legion. Hier brachte er es bis zum 
Feldwebelsrange, beteiligte sich an verschiedenen Expedi- 
tionen und kam auch im Jahre 1885, bei der französisch- 
formosanischen Expedition unter dem Vice-Admiral Cour- 
bet nach Formosa und machte hier die Eroberung von Ki- 
lung mit. Aber auf die Dauer hielt er es in der Fremdenle- 
gion nicht aus und benutzte einen günstigen Augenblick, 
um zu entwischen. Er begab sich direkt zu dem chinesi- 
schen General und Kommandanten von Formosa, der ihn 
mit einem monatlichen Gehalte von 150 Dollars in seine 



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- 74 - 

Dienste aufnahm. Die Franzosen zogen, nachdem sie bei 
Tamsui zurückgeschlagen waren und so ihre Expedition 
in Formosa gescheitert war, wieder ab. Greiner trat 
schliesslich, wie erwähnt, in die Dienste des Grafen Buttler. 
Mittlerweile hatte er sich auch mit einer Chinesin verhei- 
ratet, von der er mehrere Kinder hatte. Sein Schwager war 
auch in unserer Expedition als Koch, wurde aber in Linki- 
po zurückgelassen. Greiner beherrschte vollkommen die 
chinesische und die Eingeborenen-Sprache. So erzählte er 
mir einmal, dass er sich bei einem Besuche seiner Kam- 
pferöfen im Urwald verirrt und stundenlang vergebens nach 
dem Rückwege suchte. Er trat aus dem Walde heraus und 
zwar in einer ihm völlig unbekannten Gegend. Nicht weit 
bemerkte er eine Wilden-Ansiedlung und machte sich den 
Bewohnern bemerkbar, die sich seiner freundlich annah- 
men, ihn bewirteten und ihm das Beste, was sie ihm bieten 
konnten, vorsetzten, so auch am Rost gebratene Bärentat- 
zen. Dann brachten sie ihn auf den richtigen Weg. 

Nach dieser Abschweifung kehren wir wieder nach Tom- 
bo zurück. Zunächst hatte ich mit Greiner beschlossen, am 
nächsten Tage noch zur Erholung hierzubleiben, bevor wir 
definitiv zurückkehren wollten. 

Freitag den 23. Dezember. 

Nächsten Tag in der Frühe besuchte mich einer der 
Häuptlinge, der sich an der eingeregneten Expedition 
beteiligt hatte, mit der dringenden Bitte, ihm doch die 
Ehre meines Besuches in seinem Dorfe, Saigo genannt, 
anzutun, das gleichfalls auf einer Anhöhe in einer Entfer- 
nung von 8 km. abwärts auf dem linken Flussufer gele- 
gen war. Ich vertröstete ihn auf den Nachmittag; denn 
das Wetter war immer noch sehr zweifelhaft. Trotzdem 
brach die Sonne durch die Wolken. Herr Greiner ersuchte 
mich, doch der Einladung des Häuptlings Folge zu leisten, 
da mir dies von ihm sonst als Nichtachtung übel ausgelegt 
werden könnte. Die Geschenke, die ich fast zum grössten 
Teil verteilt hatte, bestanden nur noch in Feuerzeugen und 



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- 75 - 

einigen Kopftüchern für die Frauen. Nachmittags 3 Uhr 
verliess ich also in Begleitung zweier Wilden und meines 
chinesischen Dolmetschers Kohe, Tombo. Unser Weg führ- 
te zunächst flussabwärts auf dem rechten Ufer des Tom- 
boflusses entlang, dann quer über den Fluss auf einem sehr 
primitiven, aus Bambus und Baumästen hergestellten Steg, 
über den wir schwankend einer nach dem anderen hin- 
titerkletterten. Das jenseitige Ufer musste über lose Felsen 
genommen werden. Die Wilden, die ich 2-3 Schritt vor mir 
gehen Hess, waren heute guter Dinge, lachten und scherz- 
ten und Hessen des öfteren ihr melodisches ho-ja-de-ho!, 
dem Jodeln der ty roiischen Bergführer nicht unähnlich 
erschallen. Auch ich stimmte zuweilen mit ein und Hess 
dazwischen mitunter die schrillet* Töne meiner Torpedo- 
pfeife ertönen. Die Wilden baten mich dann um die Pfeife, 
auf der sie ihre Künste auch probieren wollten. Unser Pfad 
ftihrte in Schlangenlinien immer höher den Berghang hin- 
auf, der zu beiden Seiten mit Kajasgras bewachsen war. 
Stellenweise waren auch kahle Stellen, die die Wilden in 
Kultur genommen hatten, um hier ihre süssen Kartoffeln, 
Hirse und Reis selbst zu bauen. Was mir am gegenüber lie- 
genden Bergabhang auf dem rechten Ufer auffiel, war eine 
Menge kahler Stellen, auf denen zerstreut vereinzelte An- 
siedelungen, bestehend aus je nur einer Hütte, lagen. Die 
Bewohner derselben waren gleichfalls Angehörige des 
Tombostammes; sie hatten sich aber, um ihre Felder be- 
quemer bewirtschaften zu können, in unmittelbarer Nähe 
.derselben niedergelassen, jedoch wurden diese Hütten, wie 
mir scheint, nur während der Bebauung der Aecker vor- 
übergehend bewohnt, denn ihre festen Wohn sitze haben diese 
Leute im Dorfe, wohin sie nach Schluss der Ernte zurück- 
kehren. Nach 1 74 Stunde erreichten wir unser Ziel. Meine 
Ankunft verbreitete sich mit BHtzesschnelle durch das 
ganze, etwa aus 14-20 Hütten bestehende Dorf. 

Der * Häuptling führte mich zunächst in seine Hütte, 
machte mich mit seiner ganzen, sehr zahlreichen Familie 
bekannt und forderte mich mit dem Ausrufe «songho» zum 
-Sitzen auf. Mein Gewehr Hess ich umgeschnallt, da ich 



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— 76 — 

fortwahrend gedrängt wurde, ihnen doch den Mechanis- 
mus zu erklären. Es war ein Kavallerie-Karabiner Modell 
98, ihr Erstaunen kannte keine Grenzen, als ich ihnen er- 
klärte, dass man in einer Minute mehrere Schüsse abgeben 
hönnte. Besonders imponierte ihnen die oben in dem Schaf- 
te befindlichen Reserve- Patronen. Sie Hessen mir keine 
Ruhe, bis ich ihnen einen Probeschuss auf 100-120 m. abgab. 
Vor dem Dorfe suchten wir eine geeignete Stelle und zwar 
mussten die Wilden selbst einen Punkt am Stamme eines 
mächtigen Baumes angeben. Die Frauen blieben in der 
Hütte und schienen kein Interesse zu haben, während Män- 
ner und Kinder Augenzeuge waren. Der Häuptling bezeich- 
nete mit seinem Schwertmesser durch einea Einschnitt das 
Ziel, die anderen schienen alle ungläubig, als ich jedoch 
nach zwei abgegebenen Schüssen sie aufforderte, nachzu- 
sehen, entspann sich ein Wettlaufund als sie nun den Baum 
erreichten und die Einschlagstellen der Kugeln bemerk- 
ten, ging unter den Rufen «Ui Ui Uih!» ein furchtbares Ge- 
hacke auf den Baum los, indem die meisten ihre Schwert- 
messer zogen und nicht eher ruhten, bis sie die Geschosse 
aus dem Baume herausgebohrt hatten. Es ist ja begreiflich, 
dass sie über einen Schuss auf diese Entfernung auf das 
höchste erstaunt waren, da sie selbst, wie oben erwähnt, 
nur aus nächster Nähe schiessen. Blei ist einer ihrer be- 
gehrtesten Artikel, den sie sich ebenso wie das Pulver von 
den Chinesen eintauschen. 

Nach der Hütte zurückgekehrt, wurde ich wieder in der 
üblichen Weise mit dem Hauptgetränke, dem Napus, bewir- 
tet. Diesmal jedoch brachten sie mir ihn in einer alten 
Bierflasche europäischen Ursprunges. Die Frauen, etwa 
5 bis 6 an der Zahl, die auch aus den benachbarten Hütten 
herbeigekommen waren, waren von nicht übler Gestalt 
und trugen die Tuchstoffe, welche ich bei meiner Ankunft 
in Tombo ausgeteilt hatte, turbanartig um den Kopf ge- 
wunden. Ihre schmutzig gelbe Gesichtsfarbe und die dunk- 
len, feurig blickenden Augen Hessen den malayischen Ty- 
pus deutlich erkennen. Ich wurde aufgefordert, bei meinen 
Gastgebern zu übernachten, zog es jedoch vor, meinen Be- 



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- 77 - 

such nicht allzulange auszudehnen. Es 'that mir deshalb 
leid, als ich vernahm, der Häuptling habe mir zu Ehren sein 
Hausschwein geschlachtet. Ich wurde dringend gebeten, 
meinen Besuch so lange auszudehnen, bis ich von diesem 
Fleische gegessen hätte. Dies konnte ich nun nicht gut 
abschlagen, musste aber dazu fast mit jedem Erwachsenen 
gemeinschaftlich Napus trinken, den sie aus den Hütten in 
ßambusgefässen und Kokusnusschalen herbeischleppten. 
Nur die List, dass ich aus jedem Gefäss nur nippte, konnte 
mich vor einem kräftigen Rausche bewahren. Mittlerweile 
waren auch in einer grossen, eisernen, offenbar von den 
Chinesen erhaltenen Pfanne, die edlen Teile des Schweins, 
darunter Herz, Leber, Lunge gedämpft und unter allge- 
meinem Jubel offerierte mir die Frau des Häuptlings das 
Herz auf einem Holzbrette, mich mit erwartungsvollen 
Blicken musternd, was ich nun damit beginnen würde. Zu- 
nächst dankte ich, indem ich mich vor ihnen verbeugte, 
schnitt das Herz in Stücke und verteilte letzere unter den 
anwesenden Frauen, die sich anfangs weigerten etwas anzu- 
nehmen doch schliesslich, als ich selbst ein Stück ergriff und 
es zu Munde führte, unter allgemeinem Lachen nachgaben 
und sich gleichfalls das Fleisch gut schmecken liessen. Auch 
die übrigen griffen in die Pfanne und holten sich Stücke 
mit der Hand heraus. Infolge des genossenen Napus wur- 
de die wilde Gesellschaft immer lebhafter und mir dabei 
unheimlich zu Mute. Da selbst in dem zivilisierten Europa 
betrunkenen Menschen alles Mögliche zuzutrauen ist, be- 
schloss ich endlich aufzubrechen, denn die mich umtorkeln- 
den Eingeborenen umarmten und liebkosten sich gegen- 
seitig und vollführten sonstige Kindereien, denen auch ich 
mich jeden Augenblick aussetzen konnte. Nachdem ich 
mich nochmals bedankt und den Frauen weitere Kopftü- 
cher als Gegengeschenk versprochen hatte, brach ich auf, 
beladen mit einem Viertel von dem Schwein, das ich mei- 
nen Dolmetscher tragen liess. Die beiden betrunkenen 
Wilden, die mit ihren Gewehren leicht Unvorsichtigkeiten 
begehen konnten, liess ich vor mir hergehen. So langten 
wir, als es bereits dunkel geworden war, wieder in Tom- 
bo an. 



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— 78 - 

Sonnabend, den 24. Dezember. 

Die Nacht war empfindlich kalt, zeigte doch das Ther- 
mometer— 2° Celsius und vor der Hütte hatte sich Eis 
gebildet. Die kalte Luft zog durch die Wände unserer 
luftigen Bambushütte. Das im Kamin brennende Feuer 
war erloschen und ich musste die ganze Nacht trotz 
Decken frieren. Aber ein definitiver Witterungsumschlag 
zum Besseren war eingetreten. Als ich mich gegen drei 
Uhr in der Frühe von meiner Pritsche erhob und vor 
meine Hütte heraustrat, stand der Mond fast senkrecht 
über der Hütte. Es war eine klare Tropennacht und alle 
Anzeichen deuteten darauf hin, dass wir nun auf meh- 
rere Tage gutes Wetter behalten würden, da erst am 27. 
Mondwechsel war. Im Dorfe herrschte vollkommene Ruhe, 
alles lag noeh in tiefem Schlafe. Beim Anblick des klaren 
Sternhimmels und in Anbetracht der guten Wetteraussich- 
ten war mein Entschluss gefasst, es nochmals mit einer 
Besteigung zu versuchen. Sofort teilte ich ihn Herrn 
Greiner mit, aber derselbe war anscheinend nicht sehr 
erfreut, da er schon für den nächsten Tag Vorbereitungen 
zum Verlassen des Waldgebietes getroffen hatte. Doch 
schliesslich fügte er sich in sein Schicksal, noch weitere 
drei Tage in Tombo zubringen zu müssen. Es galt nun die 
Japaner und die Wilden für mein Projekt zu gewinnen. 
Schon in aller Frühe liess ich den Häuptling meine Absicht 
wissen und zwar bat ich ihn, mir nur 5 seiner tüchtigsten 
Leute als Führer mitzugeben, denn ich war zu der Ueber- 
zeugung gekommen, dass eine grössere Anzahl für mich 
ein Hemmnis sei. Die Japaner, worunter auch der in mei- 
nen Diensten stehende japanische Dolmetscher Ito, lehnten 
direkt ab. Mein chinesischer Koch und Wildendolmetscher 
Koh£ zeigte auch keine Lust und zwar führte er als Haupt- 
grund an, sein Opium sei ausgegangen. Als ich ihm aber aus 
meinem Arzeneikästcheri ein Fläschchen mit Hoffmanns- 
tropfen übergab und ausserdem eine Extrabelohnung 
zusicherte, schien er wieder entschlossen mitzukommen. 
Von den Wilden meldeten sich Ebi und Ibi, die mich ges- 



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- 79 - 

tern nach Saigo begleitet hatten, sowie Biung, Wishian und 
Hussung. Die drei ersteren waren bereits in einem höheren 
Alter, während letzere noch im Jünglingsalter standen und 
sich auch seiner Zeit bei der 2 Jahre zuvor stattgehabten 
Expedition des Professors Honda beteiligt hatten. 

Die Frauen des Dorfes machten ihren mitziehenden An- 
gehörigen den Proviant zurecht und auch Herr Greiner 
sorgte in jeder Beziehung für die Vorbereitungen. Diesmal 
nahm ich nur das allernotdürftigste mit auf den Weg. Den 
Wilden bedeutete ich, die Flinten zu Hause zu lassen, da 
meine Waffen mehr als genügten, instruierte sie in der 
Handhabung derselben und so begaben wir uns nach 
allgemeinem Abschiede um V2 9 Uhr auf den Weg. 

Es war ein herrlicher, klarer Morgen, der Tau hing an 
den Grashalmen, die Vöglein sangen muntere Lieder, die 
Wilden waren frohen Mutes und auch ich war in der hei- 
tersten Stimmung. Schon 10 Uhr 20 Minuten waren wir 
wieder an jener mit Moos und Farrenkräuter bewachse- 
nen Stelle, um V2 l Uhr mitten im Laubwald, nachdem wir 
zur Linken drei Wasserfälle und in einer Höhe von 1200 m. 
bei einer Temperatur von 21° Celsius die wildromantische 
Schlucht des Tonoflusses passiert hatten. Auch kamen 
wir an der früher von uns errichteten Hütte vorbei. Um V2 3 
Uhr fand sich neben einem Wasserfalle eine zum Lager 
günstige Stelle mit zahlreichen frischen Hirschspuren und 
hier schlugen wir das Nachtquartier auf. Es war ein rei- 
zender Platz: im Hintergrunde ragten in südöstlicher Rich- 
tung die nur noch etwa drei Stunden entfernten zackigen 
Spitzen des Pattakwan auf, unten in unmittelbarer Nähe 
des Falles ein mächtiger Tannenbaum, über demselben, 
hoch über der Schlucht ein rauschender Wasserfall, An 
der Tanne befestigte ich die deutsche und japanische Flag- 
ge. Da meine Gedanken immer wieder zum Weihnachts- 
abend zurückkehrten, liess ich durch meinen Dolmetscher 
den Wilden erklären, dass heute in meiner Heimat ein 
allgemeines Familienfest sei, wobei ein jeder Geschenke 
empfängt. Bald brannte ein lustiges Lagerfeuer und mitten 
unter den Wilden sitzend, liess ich ihnen durch Koh£ in 



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- 80 — 

ihren Bambusgefässen eine Bohnensuppe mit Schweine- 
fleisch verteilen. Dazu bekam jeder noch ein Päckchen Zi- 
garetten und so sassen wir lange bis in die tiefe Nacht 
hinein in heiliger Weihnachtsstimmung; der Mond sah un- 
serem Treiben lächelnd zu. Die Sterne funkelten gleich 
Weihnachtskerzen über der Schlucht. Bald aber trieb uns 
die Müdigkeit in die Hütte zur Ruhe und mitten im Urwal- 
de tauchte heimatlich die schöne Weihnachtszeit im Trau- 
me auf. 



Pattakwan 2430 m. über dem Meere, Wasserscheide zwischen 
der Ost- & Westküste 



Sonntag, den 25. December. 

Wir brachen schon früh auf, noch bei Dämmerlicht um 7 
Uhr morgens. Um 8 Uhr 15 Minuten erreichten wir eine 
Höhe von 1650 m. bei einer Temperatur von 10° Celsius. 
Des öfteren machten die Wilden Halt und zündeten sich 
ein kleines Feuer an, um sich zu wärmen. Ueberhaupt sind 
sie gegen Kälte sehr empfindlich. 



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81 - 



Drei Stunden früher als das erste Mal, erreichte ich mit 
meinen Begleitern das Hochplateau von Pattakwan. Es war 
herrliches Wetter. Kein Wölkchen zeigte sich am Himmel. 
Von hier oben machte ich eine photographische Aufnahme; 



Pattakwan mit Saltospitze, Wasserscheide 

es war leider eine meiner letzten Platten. Im Hintergrund 
nach Süden bemerkte man die nördlichste Spitze des Mt. 
Morrison, welcher sich steil, die Abhänge unter einem 
Winkel von 45° geneigt, in einer Entfernung von 10-12 km. 
Luftlinie befand. Hier zum ersten Male war es infolge des 
klaren, fernsichtigen Wetters möglich, eine topographische 



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- 82 - 

Aufnahme der Umgebung nach allen Himmelsgegenden 
zu machen. 

Der Blick streifte von dem Standpunkte des obenerwähn- 
ten Tannenbaumes nach Westen gerichtet über den nach 
der Ebene zu sich allmählich verflachenden parallel ver- 
laufenden Ketten der Vorberge des Niitakayama, welche 
sich von N. nach S. hinziehen und mit gemischten Laub-und 
Tannenwäldern dicht bewachsen waren. Rechts zog sich 



Aussicht nach Westen vom Pattakwan 

an der unteren Nordseite entlang ein ausgedehnter Tan- 
nenwald, der Berg war jedoch oben kahl und nur mit bu- 
schigen Gräsern bewachsen. Nach Osten sehen wir zunächst 
in unmittelbarer Nähe die weit ausgedehnten Grasflächen 
von Pattakwan, dann nach der Ostküste die mehrere 1000 m. 
steil abfallenden parallelen Gebirgszüge, die jedoch nicht 
gleichmässig bewaldet, sondern zum grossen Teil mit weit 
ausgedehnten kahlen Abhängen versehen sind. Auch 
hier haben die Eingeborenen zum grössten Teil den 
Wald durch Feuer zerstört, um ausgedehntere und beque- 



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- 83 - 

mere Jagdgründe zu erhalten. Etwa nur ein Drittel der 
Berge zeigt noch Urwaldbestand. 

Nach Süden zeigte der Blick zunächst wieder die baum- 
lose, mit Gras bewachsene Höhe des Pattakwan-Berges, 
das Flusstal des Paffasassun und im Hintergrunde, wie 
oben schon erwähnt, die gleich dem Rücken eines Drome- 
dares mit zwei Höckern versehene nördlichste Spitze des 
Mt. Morrison, die nach Westen steil abfallend nach Osten 
und Nordosten in den oberen Regionen mit dichten Tan- 
nenwaldungen bewachsen ist, die sich allmählich in ein aus- 
gedehntes Grasland verlieren. 

Nach den nötigen Aufzeichnungen und Skizzen» meiner- 
seits brachen wir wieder nach unserem früheren Lager- 
platze auf, in dessen Nähe wir schon früher zwei Nächte 
biwakiert hatten. Die Sonne stand fast senkrecht über uns, 
und als ich mich eben anschickte in das Flusstal hinabzu- 
steigen, blieben meine Wilden wie angewurzelt stehen und 
spähten über das Tal hinüber an die steilen dichtbewalde- 
ten Abhänge des nach Osten sich ergiessenden Flusses. 
Aus ihren Gebärden war zu schliessen, dass sie einen 
Hirsch zu erblicken glaubten. Nach minutenlanger Beo- 
bachtung kam ich und auch die Wilden zu der Ueber- 
zeugung, dass sie sich getäuscht und die Aeste eines 
abgestorbenen Baumes für ein Hirschgeweih gehalten 
hatten. 

Hier oben durch die herrlichen zahlreichen Tannen kam 
mir wieder zum Bewusstsein, dass Weihnachten sei. Ich 
liess es mir deshalb nicht nehmen, durch einen Eingebo- 
renen die obere Spitze eines Tannenbaumes abschneiden 
zu lassen und sie mitzunehmen. Rasch hatten die Wilden 
zwei Hütten fertiggestellt und sassen bald darauf vor der 
ihrigen um ein Lagerfeuer, gemütlich rauchend und sich ihre 
Mahlzeit kochend.Vor der meinigen wurde der/Tannenbaum 
aufgepflanzt und oben mit meinem Tropenhelm und der 
japanischen Flagge verziert, die mir Herr Ishida mitgege- 
ben hatte. Wir alle befanden uns in richtiger Feiertagsstim- 
mung, wurde doch die für morgen endgültig festgesetzte 
Besteigung des Mt. Morrison und all das Neue, das wir 



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- «4 — 

dort oben noch sehen sollten, durch keine ungünstigen 
Vorboten gestört. In heiterster Laune erteilte ich meinen 
Begleitern Unterricht in der Handhabung meiner Schiess- 
waffen. So kam der Abend heran und von heimatlichen 
Erinnerungen geleitet, versammelte ich die Wilden um 
mich, um ihnen noch einmal die Bedeutung des Weihnachts- 
festes und des Tannenbaumes auseinanderzusetzen, etwa 
in folgender Weise. Auch die Eingeborenen feiern gewisse 
Feste, so das KopfiFest, das dem Gedächtnis ihrer Ahnen 
gewidmet ist, welche durch die eingelieferten Chinesen- 
köpfe gewissermassen für jene grässlichen Schlächtereien, 
welche ainst die Chinesen vor hundert Jahren an diesen 
harmlosen Wilden begangen haben, als sie die Insel erober- 
ten, versöhnt werden sollen. Auch ihre Vettern, die Hollän- 
der hätten aus der fernen Heimat in früherer Zeit das 
Weihnachtsfest mit nach Formosa gebracht und hier immer 
gefeiert. Nur sei es ihnen jetzt fremd geworden, da jener 
Verkehr seit dem Verlassen der Insel durch die Holländer 
aufgehört habe und die alte Tradition vergessen sei. Ich 
sei jetzt gekommen, um den alten Brauch wieder bei ihnen 
zu erneuern und hätte ihnen auch Geschenke mitgebracht. 
So verteilte ich unter sie Handschuhe, die sich besonders 
praktisch bei der Kälte am folgenden Tage bei der Bestei- 
gung erwiesen, lange Strümpfe zum Schutze ihrer nackten 
Beine, Zigaretten und ausserdem wurde jeder mit einer 
Tasse Kakao zur Feier des Tages gestärkt. 

Noch lange sassen wir vor dem glimmenden Feuer, wo- 
bei ich ihnen mit Hilfe meines Dolmetschers die haupt- 
sächlichsten Ausdrücke ihrer Sprache in das Japanische 
und Deutsche übersetzte. Es war empfindlich kalt. Durch 
die Wärme des Lagerfeuers angelockt, stellten sich auch 
wieder die kleinen Feldmäuse bei uns ein, doch die Wil- 
den, die nicht schliefen, Hessen sich ihren Leckerbissen 
nicht entgehen, spiessten sie auf Bambusstäbchen und 
rösteten sie mit Haut und Haaren. Auch mir wurde das 
Hinterteil einer so zubereiteten Maus angeboten, wobei 
einer der Kerle sich mit sichtlichem Behagen mit der Hand 
über den Bauch strich. 



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Der chinesische Dolmetscher, in dessen Heimat be- 
kanntlich Mäuse ja auch zu den Leckerbissen gehören, 
kostete auch davon und Hess sich den seltenen Weihnachts- 
braten gut schmecken. Aber ich, so gross auch die Versu- 
chung war, alles kennen zu lernen, lehnte das freundliche 
Anerbieten meiner Genossen dankend ab. Die Schlucht, in 
der wir uns befanden, war durch den fast senkrecht über 
uns stehenden Mond hell erleuchtet. Es war in der Tat das 
schönste Weihnachtsfest meines Lebens, denn über mir 
zogen sich hunderte von Riesentannenbäumen bis zu dem 
Hochplateau von Pattakwan hinauf, lauter Christbäume, 
über denen statt flackernder Weihnachtskerzen ein tropi- 
scher Sternhimmel funkelte. 

Montag, den 26. Dezember. 

Schon kurz nach 4 Uhr war der Mondschein in unserer 
Schlucht verschwunden, doch zeigte sich bald das Däm- 
merlicht. Ich wollte so früh als möglich, am liebsten schon 
in der Dunkelheit aufbrechen. Unser Thermometer zeigte 
—3° Celsius und meine Wilden schienen nicht besonders 
erfreut in einer solchen Kälte die Besteigung zu unterneh- 
men. Nach einem warmen Frühstück und nachdem sich 
die Wilden mit den geschenkten Handschuhen und wolle- 
nen Strümpfen versehen und ich ihnen noch meine war- 
men Decken und dem Anführer sogar meinen Winterüber- 
zieher hergegeben hatte, brachen wir um 6 Uhr auf. 

Den chinesischen Koch und Dolmetscher mussten wir 
bei unserem Gepäck lassen. Er war sehr traurig und 
teilte mir seine Befürchtungen wegen eines Ueberfalls der 
Tappangs mit, worauf ich ihm zu seinem Schutze noch 
meinen Revolver gab. Wir überschritten nun zunächst den 
Paffasassun-Fluss. Die beiden ältesten der Eingeborenen, 
Ebi und Ibi, übernahmen die Führung; ich ging in der 
Mitte, während die übrigen mir folgten. Wie die Katzen 
kletterten meine Begleiter an einer 20 m. hohen Bergwand, 
die direkt von dem Flusse aufstieg, an Bäumen, Sträu- 
chern und Wurzeln etwa 20 Minuten lang empor. Ich konn- 



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te meinen Führern nicht so rasch folgen, sodass sie einige 
Meter Vorsprung bekamen, bis ich schlieslich auf eine 
falsche Fährte kam, hilflos an der senkrechten Wand hing 
und weder vor noch rückwärts konnte. Die mir folgenden 
Wilden erblickten mich in meiner schwierigen Lage, doch 
auch sie konnten mir anfangs nicht helfen und erst, als ihre 
vordersten Genossen zurückgekehrt waren, befreiten sie 
mich aus derselben vermittels ihrer langen Bambustäbe und 
eines Seiles, das wir bei dieser Tour bei uns führten. Wir 
verliessen jetzt die senkrecht abfallende Felswand und be- 
fanden uns in einer noch immer ziemlich steil ansteigenden, 
engen Schlucht, die mit Moos, Bambus und Tannen bewach- 
sen war, wo wir durch ein Chaos durcheinanderliegender, 
ebenfalls mit Moos bewachsenen Stein blocken und über die, 
durch Unwetter entwurzelten mächtigen Baumstämme hin- 
wegklettern mussten. Die Wilden lenkten meine Aufmerk- 
samkeit auf einen schon Jahrzehnte lang hier modernden 
Baumriesen von einem Durchmesser von etwa 6 m. und 
einer Länge von 20-30 m. Der Baumstamm war dicht mit 
Moos und Farrenkräutern bewachsen und auf der ihn 
bedeckenden Humusschicht wuchsen mehrere andere Tan- 
nen und Nadelhölzer hervor. Der Anblick dieser gewalti- 
gen Baumleiche erinnerte mich an die Kryptomerienwälder 
in Kalifornien, an deren Jahresringen ein Alter von 3 bis 
4000 Jahren festgestellt ist. 

Kurz nach 7 Uhr verliessen wir den Grat von Pattakwan, 
denn so wird auch dieser Berg genannt und traten hinaus 
auf eine in weissem Reif schimmernde Grasfläche. Die 
dunkelgrünen Tannen am Waldessaume, von denen lange 
Flechten herabhingen und der Schein der Morgensonne, 
welcher die obersten Spitzen des Pattakwan golden beleuch- 
tete, erhöhte die Feiertagsstimmung. Das vor uns hinge- 
zauberte malerische Bild, das durch einen tiefblauen wol- 
kenlosen Himmel abgeschlossen wurde, bleibt mir unver- 
gesslich. Ringsherum die tiefste Morgenruhe. Meine Wilden 
zeigten auf die sonnenbeschienene Spitze und schienen es 
sehr eilig zu haben, dort oben anzukommen, um sich in der 
wärmenden Sonne auszuruhen. Ich konnte ihnen wegen des 



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sehr steilen Anstieges nicht so rasch folgen, auch wollte 
ich mir dieses unvergessliche Bild recht tief einprägen. 
Mit ihren nackten Füssen hatten die Wilden unter der Kalte 
sehr zu leiden, und ich bedauerte die armen Burschen, die 
sich mehrmals zur Erwärmung ein Feuer anmachten. Bald 
hatte ich sie wieder eingeholt und wir waren jetzt in einer 
Höhe von etwa 2000 m. auf der höchsten Spitze des soge- 
nannten Pattakwan -Berges. 

Hier oben weilten wir nahezu eine Stunde und ich freute 
mich am 21. Dezember unten eingeregnet zu sein, denn 
niemals hätte ich bei so klarem Wetter ein solches Natur- 
schauspiel haben können, wie es sich hier oben unsern 
Blicken darbot. 

Zunächst stellte ich an der Hand des Kompasses genau 
die 4 Himmelsrichtungen fest und liess mir von den Einge- 
borenen die Namen sämtlicher Berge nennen, die auf der 
mitgebrachten japanischen Generalstabskarte nicht einge- 
tragen sind. In südöstlicher Richtung erblickt man den 
Ninaff und Cincan, mehr nach Süden hin den Hassumbuto 
und Heismat, alles Berge in durchschnittlicher Höhe von 
3500-4000 m., nach Norden die Berge Hatuk, Mamango 
und die etwas näher liegenden Hattatan, Tiboan und 
Cisoque. Nach Westen begrenzte der Wald die Aussicht. 
In südlicher Richtung vor uns haben wir die weit ausge- 
dehnten mächtigen Tannen Waldungen des Niitakayama, 
dessen vorderste Spitze, nach dem ersten Besteiger von 
mir SaitoSpitze genannt, hinter den Waldungen hervorrag- 
te, während die höchste Spitze von hier noch nicht sicht- 
bar ist. 

Von der Spitze des Pattakwan aus führte der Weg 
zunächst auf graslosen Fusspfaden, die sich durch das 
gewellte Terrain des Hochplateaus hindurchschlängelten. 
Die Wilden brannten hier wiederholt das Gras an, das bei 
der Sonnenhitze (20° Celsius) auf weite Flächen hin sich 
entzündete. 

So erreichten wir in einer Höhe von 3200 m. den ober- 
sten Tannenwald. Mächtige vom Sturm entwurzelte 
Baumstämme von 1-2 m. Dicke lagen quer im Wege ; über 



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sie hinweg und unter ihnen hindurch kletterten wir immer 
weiter empor. Diese Waldesstille wurde nur unterbrochen 
durch das geheimnisvolle Rauschen des Windes und gele- 
gentliches Abbrechen eines dürren Astes. Unter uns be- 
merkten wir ein grosses Feuer, welches eine ungeheure 
Ausdehnung bis nahe an den Waldrand genommen hatte. 
Zwischen den Bäumen lag der Schnee 1 V* -2 Fuss hoch. 
Auf die zahlreichen Hirschspuren, vor denen unsere 
Wilden öfters stehen blieben, machte man mich wiederholt 



OestHcher Rücken des Mt. Morrisongebirges mit dec Saitospitze 

aufmerksam. Mit dem Mauserkarabiner feuerte ich des 
öfteren auf weite Entfernungen auf ein von ihnen be- 
stimmtes Ziel. 

So erreichten wir mit Mühe den östlichen Rücken des 
Mt. Morrison Gebirges. Hier wurde der Schnee tiefer 
und die Bäume machten einen trostlosen Eindruck. Hun- 
derte von Baumriesen starrten kahl ohne jedes Leben mit 
vermoderter Rinde in die Lüfte. Wir waren nun in einer 
Höhe von 3700 m. und schlugen auf einem sehr steilen, nach 
Westen fast senkrecht 1000 m. abfallenden Grat weiter- 



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gehend, eine mehr westliche Richtung ein. Dieser Grat war 
teilweise mit Schnee bedeckt, und dazwischen ragten die 
scharfen Kanten des Schiefergesteines hervor. 

Es mochte 10 Uhr gewesen sein, als wir am Fusse der 
Saito Spitze, die oben auf der nördlichsten Seite eine Te- 
rasse bildet, anlangten. Es ist ein mächtiger, wohl 200 m. 
hoher Felsen ohne jede* Vegetation. Der Schnee war hier 



Schiefergestein unterhalb der Saitpositze 

geschmolzen; denn die Sonnenstrahlen brachen sich an der 
Felswand und strahlten die Wärme zurück. Hier wuchsen 
auch einige Stachelsträucher, vereinzelte Gräser und Flech- 
ten nicht unähnlich der alpinen Vegetation. Wir machten 
Halt, und die drei älteren Wilden Ebi, Ibi und Wishian la- 
gerten sich am Fusse dieses mächtigen Felsens, während 
ich mit den beiden jüngeren, Hussung und Biong, die Be- 
steigung wagte. Zunächst wollte ich direkt an der Nordsei- 
te in die Höhe klimmen, sah aber bald die Unmöglichkeit 



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meines Vorhabens ein und wählte infolgedessen den Weg 
an der Ost-und Südostseite, welcher nach schwierigem 
Klettern zunächst auf die Saito-Spitze führte, die nach 
meiner Messung 3870 m. hoch ist. Diese Spitze wurde 
von den Japanern nahezu 500 m. höher und auch als die 
höchste Spitze angegeben, was jedoch beides nicht richtig 
ist, da der Mt. Morrison noch zwei weitere nach Süden gele- 
gene Kuppen besitzt. Die Saito Spitze türmt sich pyrami- 
denförmig auf, indem lose Schiefergesteine übereinander- 
gehäuft sind. Hier ober fand ich unter einem Steine die 
zerrissene japanische Flagge und Flaggenstange aus Bam- 
bus des Lteutnants Saito, des ersten Besteigers. 

Saito führte mit Professor Honda, an dessen Expedition 
er teilnahm in der japanischen Presse einen Streit bezüg- 
lich der Ehre, die Honda allein für sich in Anspruch 
nehmen wollte. Offenbar ist Honda, wie ich auch durch 
Gespräche mit den Wilden in Erfahrung bringen konnte, 
nur bis auf den östlichen bewaldeten Rücken des Niita- 
kayama gekommen, da er von der Malaria befallen, um- 
kehren musste. Auch Saito hat die höchste südöstliche 
Spitze, die von mir, wie wir weiterhin sehen werden, zum 
ersten Mal bestiegen wurde, nicht erklommen. Mit den 
Wilden leerte ich oben die Kakao-Flasche, worauf ich 
einige an den Deutsch-Oesterreichischen Alpenverein ge- 
richteten Zeilen deponierte, die später durch den japa- 
nischen Landrat Kumagai aufgefunden und mir durch 
Hern Dr. Müller vom deutschen Konsulat in Twatutia 
wieder zurückgesandt wurden. Die alte japanische Flagge 
nahm ich an mich und ersetzte sie durch eine neue. 

Auf dieser Spitze, die auf der Vorderseite eine Terasse 
hat, verblieben wir längere Zeit und die Aussicht, die sich 
uns hier oben bot, war eine noch schönere, als die bereits 
eben beschriebene von der Pattakwanspitze. Wir konnten 
jetzt hier oben bei fast wolkenlosem Himmel den ganzen 
Mt. Morrison Stock übersehen. Nach der Beschreibung des 
Pi ofessors Honda und auch der des Landrats Kumagai war 
die Saitospitze als die höchste Erhebung dieses Gebirgs- 
stockes betrachtet worden. Wahrscheinlich scheint dies 



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darauf zurückzuführen zu sein, dass die genannten Herren 
bei bewölktem Himmel die Besteigung ausführten, wobei 
sie die südlichste, höhere Spitze des Mt. Morrison Höhen- 
zuges übersehen haben mussten. 

Nach Westen erblickten wir den Pattakwan Omen, wel- 
cher in unmittelbarer Nähe nur durch eine schmale Thalein- 
senkung vom Mt. Morrison getrennt, sich direkt von der 
Thalsohle nahezu 3600 m. kegelförmig erhebt und dessen 
Tannenwaldungen in regelmässig scheinenden Beständen 
bis zur höchsten Spitze ohne Lücke die Bergwände beklei- 
den. Nach Westen war das Meer durch einen Nebelstreifen 
verdeckt, während die Vorberge des Mt. Morrison, die 
mehrere 100 m. niedriger erschienen, ziemlich klar und 
deutlich vor uns lagen. 

Alsdann beeilten wir uns zu den übrigen an dem Fusse 
der Saito-Spitze lagernden drei Wilden zurückzukehren. 
Es wurde nun eine Flasche Sekt, die wir vorher in den 
Schnee steckten, geöffnet. Mit neugierigen Blicken ver- 
folgten mich meine treuen Begleiter, als ich ihnen durch 
Gebärden zu verstehen gab, dass dieses Getränk besser 
sei als ihr aus Hirse zubereiteter Napus. Jeder bekam sein 
Teil und als der Vorrat zur Neige ging, tat der eine Wilde 
noch etwas Schnee hinzu. Der Stammälteste wies mit dem 
Fingernach der Saito-Spitze und bezeichnete sie als u Stoe- 
pi-San". Diese Bezeichnung liess ich jedoch nicht gelten, 
sondern erinnerte ihn an den Namen des Leutnant «Saito» 
als den ersten Besteiger. 

Meine Begleiter zeigten keine Lust noch länger hier oben 
zu weilen, doch wähnte ich mich noch nicht am Ziele mei- 
ner Besteigung, solange nicht auch die höchste Spitze von 
mir bewältigt war. Dieselbe liegt in südlicher Richtung 
von der Saito Spitze und ist mit ihr durch einen dazwi- 
schenliegenden Buckel verbunden. Ueber die scharfen 
Thonschiefergesteine hinwegkletternd, erreichten wir sie 
nach einer letzten, kurzen Kletterpartie. Hier oben scheint 
noch kein menschlicher Fuss gewandert zu sein. Auch die 
Eingeborenen kommen nie auf diesen Teil des Berges. 
Mein dort oben unter einem Steine deponiertes, in schwarz- 



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weiss-roten Farben gehaltenes Taschentuch wartet immer 
noch darauf, herunter geholt zu werden. In einer Höhe von 
4050 Meter war ich am Endziel meiner Reise angelangt 
Nach dem Stande der Sonne mochte es wohl 1 Uhr gewe- 
sen sein. Ein leichter Nordostwind fegte über die auf- 
getürmten Steine aus Thonschiefer und einzelne kleine 
Wolken glitten in unmittelbarer Nähe über die Berg- 
abhänge dahin. Ich hielt es jetzt für Zeit aufzubrechen, 
um nicht im Dunkeln in unserem Lager unten anzukom- 
men. So ging es dann auf dem Wege, auf dem wir den 
Berg erklommen hatten, wieder zurück, zunächst im Schnee, 
in dem sich zahlreiche Hirschspuren von ausserordentli- 
cher Grösse vorfanden. Schon nach 3 /4 Stunden waren wir 
wieder im Tannenwald. Das Thermometer zeigte 23° Cel- 
sius. Zufällig fand jetzt einer meiner Begleiter zwischen 
Schnee und Moos ein abgeworfenes Hirschgeweih und 
überreichte es mir. Es war bereits mit Moos überwach- 
sen. So erreichten wir in einer Höhe von 3200 m. das 
obere Ende des Tannenwaldes. Unter uns begannen die 
weit ausgedehnten Grasflächen, die durch das am Vor- 
mittag von den Wilden angezündete Feuer geschwärzt 
waren und teilweise noch glimmten. An einer Pfadkrüm- 
mung stand eine mächtige etwa 70 m. hohe Tanne, deren 
Stamm unten teilweise verkohlt war und in dessen unterem 
Ende über der Erde eine Höhlung sich befand, welche von 
den Eingeborenen als Feuerstätte benutzt wurde, da sie 
ihnen mehr Schutz gegen den über die Hochfläche fegen- 
den Wind bot. • 

Auf der Pattakwan Spitze wieder angelangt, machten 
wir eine kurze Rast. In Reihenmarsch ging es nun weiter 
bergabwärts. Die Sonne stand bereits so tief, dass ihre 
Strahlen uns nicht mehr erreichen konnten. Wir befanden 
uns jetzt im unteren Tannenwald kletterten vorsichtig 
über Felsen, querliegende Baumstämme und Wurzeln die 
Schlucht herunter zu unserer des Morgens verlassenen La- 
gerstätte, und wurden dort von dem zurückgelassenen 
Chinesen freudig begrüsst. Am liebsten wäre ich noch in 
derselben Nacht nach Tombo zurückgekehrt, musste aber 



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wegen der hereinbrechenden Dunkelheit hier in der Hütte 
übernachten. Die Nacht war kalt und das Thermometer 
stand um 5 Uhr morgens einige Grade unter Null. 



Dienstag den 27. Dezember. 

Um 7 V2 Uhr brachen wir auf und erreichten in der besten 
Stimmung und unter Singen und Scherzen die Pattakwan- 
Wasserscheide, deren weite Grasflächen von der Morgen- 
sonne bestrahlt wurden. An den Grashalmen hingen per- 
lende Tautropfen. Es war ein herrlicher, frischer Morgen. 
Die Temperatur war inzwischen auf 10° C. gestiegen. Bevor 
wir hinabstiegen, machten wir noch einmal eine kurze 
Rast, um von den Bergen und der in weiter Ferne sicht- 
baren Saito Spitze für immer Abschied zu nehmen. In 
grösster Eile wurden alle bisher so schwierigen Hinder- 
nisse mit Leichtigkeit überwunden. Und früheren Spuren 
folgend, erreichten wir unsere alten Lagerstätten, in denen 
ich mich so heimisch gefühlt hatte. 

Als ich hier kurze Rast machte, und mich auf ein Lager 
von dürrem Bambusrohr ausstreckte, tauchte plötzlich eine 
fremde Gestalt vor mir auf, die mich mit neugierig fragen- 
den Blicken ansah. Es war einer der zwei Eingeborenen 
des Tombo Stammes, die uns der Häuptling entgegenge- 
sandt hatte. Ich hatte jetzt die Begleitung von 7 Eingebore- 
nen und so erreichten wir jene heisse Quelle im Fluss, von 
der ich schon gesprochen habe. 

Nach allen überstandenen Strapazen konnte ich es mir 
nicht versagen, ein erfrischendes Bad zu nehmen und suchte 
mir eine geeignete Stelle, an der sich das kalte Gebirgs- 
wasser durch den Zufluss des heissen Quellwassers ange- 
nehm gemässigt hatte. Während meine Begleiter sich mehr 
im kalten Wasser authielten, goss ich mir mit einer Blech- 
büchse das heisse Wasser über den Rücken, den ich mir 
dabei stark verbrühte. Meine weisse Hautfarbe schien die 
besondere Aufmerksamkeit der Wilden zu erregen, da sie 
meinen Körper neugierig betasteten. 



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Gegen Abend erreichten wir dann endlich wieder Tombo 
und wurden von Allen mit grosser Freude empfangen. Bei 
jener alten Frau erkundigte ich mich nach ihrem an Malaria 
erkrankten Kinde. Diese berichtete mir mit freudestrah- 
lenden Augen dessen Genesung. Das ganze Dorf schien 
sich für den nächsten Tag für unsere Rückreise zu rüsten. 
Auch mich zog es wieder in die Kulturwelt zurück und 
besonders konnte Herr Greiner, der die ganze Zeit über 
vom Hexenschuss geplagt in Tombo geblieben war, den 
Tag der Rückkehr nicht erwarten. 

Mittwoch, den 28. Dezember. 

Schon in der Frühe um 8 Uhr .war alles zum Aufbruch 
bereit. Der Weg führte uns diesmal längs des Tomboflusses 
nach Chip-Chip aber unserem Versprechen, den Häuptling 
der Horsiaieute Moro-auf* dem Rückwege aufzusuchen, war 
nicht möglich nachzukommen, da fast das ganze Dorf 
Tombo mich begleiten wollte und die einzelnen Stämme 
der Wilden sehr ungern die Gebiete anderer betreten. 

Kurz vor dem Abmärsche fingen einige von den älteren 
Eingeborenen unter allgemeiner lärmender Beteiligung der 
anderen Dorfbewohner zwei fette Hausschweine ein, fessel- 
ten sie an den Füssen mit Bambusstricken und hängten 
sie dann an einem Tragholz von Bambus auf, dass sich die 
Tiere, den Rücken nach unten und die Füsse nach oben, 
nicht mehr rühren noch rappeln konnten. Dem einen 
Häuptling, der zurückblieb, schenkte ich zur Erinnerung 
meine Torpedopfeife, ausserdem versprach ich ihm das 
gewünschte rote Unterfutter, das stets als eine Auszeich- 
nung unter den Wilden für besonders geleistete Dienste 
gilt, in Linkipo zu kaufen und ihm durch seine Landsleute 
zustellen zu lassen. 

Der Stammälteste des Tombostammes Noisi wollte es 
sich nicht nehmen lassen, trotz seines hohen Alters und 
seiner schwachen Füsse (er mochte etwa 60 Jahre alt sein) 
mich zu begleiten. Von einem kräftigen Tombo-Manne 
wurde er während der ganzen Reise getragen und zwar 



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so, dass er auf einem von den Wilden selbst konstruierten 
Tragstuhl sass, den sich der Träger auf den Rücken ge- 
schnallt hatte. So begleitete uns etwa das ganze Dorf, 
Frauen, Kinder und halbwüchsige Burschen. Es ging im 
Reihenmarsch, wobei die Schweineträger an der Spitze 
marschierten, längs des Flusses hin, teils diesen auf schma- 
len, halsbrecherischen und aus primitiven Aesten zusam- 
mengezimmerten Brücken überschreitend, teils ihn durch- 
watend. An den tieferen Stellen, an denen den Wilden das 
Wasser oft bis an die Hüften reichte, trugen sie mich in 
einem Tragstuhl hinüber, der ähnlich, wie der des Stamm- 
ältesten konstruiert war, wobei noch meine Beine in das 
Wasser reichten. Auch die Bewohner des Dorfes Saigo 
hatten es sich nicht nehmen lassen, mir nochmals Lebe- 
wohl zu wünschen. Sie wollten sich mir anschliessen, doch 
lehnte ich das Anerbieten dankend ab mit dem Hinweis, 
dass sie doch besser zurtickblieben und sich nicht unnötiger 
Weise diesen Strapazen auszusetzen brauchten; die ihnen 
versprochenen Geschenke würde ich ihnen durch ihre 
Stammesgenossen zukommen lassen. 

Immerhin hatte ich noch eine sehr stattliche Beglei- 
tung, die aus 30 Männern und 7 Frauen bestand. Nur 
sehr langsam bewegten wir uns fort, besonders hatten die 
Wilden, die mit den Schweinen beladen waren, sehr unter 
der drückenden Hitze zu leiden. Gegen 10 Uhr vormittags 
machten wir eine Frühstückspause und passierten bald da- 
rauf die Stelle, an der sich die Pfade nach Sotkuram, Hor- 
sia und Namakama abzweigen. Das Flussbett wurde hier 
immer breiter und die Steine, welche den Lauf des Flusses 
begleiteten, kleiner. Der Weg kam uns nur deshalb so lang 
vor, weil er uns immer in Zickzacklinien, den bequemen 
Stellen folgend, durch die Geröllmassen hindurchflihrte 
und dieses Klettern zwischen den Wasserarmen unser 
Marschtempo natürlich sehr verzögerte. Kein mensch- 
liches Wesen liess sich blicken. Es begegnete uns nur 
ein wilder Jäger, der sich von Chip-Chip nach seiner 
Heimat zurückbegab. Er wich uns auf eine Entfernung von 
30 m. scheu aus, scheinbar keine Notiz von uns nehmend, 



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erst als die Tomboleute ihn anriefen, kam er zu uns her- 
über. Wir erkundigten uns nach dem Wege, den er uns 
näher bezeichnete. Gegen Abend bauten wir uns auf der 
linken Seite des , Flusses nicht weit vom Waldesrand im 
Flussbette eine Hütte. Kurz zuvor verschwanden plötzlich 
an den steilen Flussabhängen im hohen Kajasgrase einer 
frischen Wildspur folgend 2 Tombojäger. Als ich mich 
gerade in Gesellschaft des Dolmetschers mit dem Abko- 
chen eines Stückes mitgebrachten Wildschweinfleisches 
beschäftigte, kamen jene beiden schwer mit Jagdbeute be- 
laden triumphierend auf mich zu; in wenigen Minuten hat- 
ten sie eine Gemse, Yamashika genannt, und einen Fasan 
erlegt. Dieser war dem chinesischen sehr ähnlich und hat- 
te um den Hals einen weissen Ring, die Beine waren rot, 
die übrigen Federn grünlich blau. Die Wilden gaben ihn 
mir als Geschenk, während sie sich selbst mit dem Zer- 
legen der Gemse beschäftigten. Diese war an Farbe unse- 
rem Reh sehr ähnlich, nur hatte das Gehörn die Form von 
Gemskrickeln. Interessant war es, die Wilden dabei zu 
beobachten. Der Jäger selbst zog zunächst mit seinem 
Schwertmesser kunstgerecht das Fell ab, welches auf 
mehrere Hölzer zum Trockenen aufgespannt wurde. Da ich 
wusste, dass die Eingeborenen stets selbst die Köpfe des 
erlegten Wildes aufbewahren, so ersuchte ich den Häupt- 
ling mir wenigstens das Gehörn zu überlassen, was dieser 
dann auch etwas zögernd tat. Während mein chinesischer 
Koch den Fasan zubereitete, bat sich der Wilde seinerseits 
den Kopf des Fasans aus. Hieran knüpft sich ein be- 
stimmter Aberglaube: es soll nämlich derjenige, welcher das 
Gehirn dieser Vögel, wie Fasanen, Tauben etc. geniesst, 
bei der Jagd von besonderem Glück begünstigt sein. 

Das abgehäutete Stück Wild wurde nun in Stücke zer- 
teilt und jedem seine Portion zur Mahlzeit überwiesen. Die 
Eingeweide werden fortgeworfen, die edleren Teile, Herz, 
Leber, Lunge etc. mit ausgeteilt. Der Jäger selbst fing mit 
hohler Hand das Herzblut auf, welches er mit Wohlbehagen 
schlürfte, wobei sich sein Gesicht von dem genossenen Ge- 
tränk ganz rot färbte. Auch hier besteht der Glaube, dass 



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dieser Genuss ihm leichter auf die Spur des Wildes verhilft 
und ihn besser «sehend» macht. 

Unterdessen war das Nachtessen zubereitet und so leg- 
ten wir uns sehr früh zur Ruhe, um wegen der Tageshitze 
die kühlere Mondscheinnacht zum Marsche zu benutzen. 

Donnerstag, den 29. Dezember. 

Wir brachen früh um 4 Uhr auf. Der Mond im abneh- 
menden Viertel wies uns freundlich den Weg. Die uns 
bereits bekannte Pepura-Schlucht ward zur linken Seite 
passiert. Wir befanden uns jetzt wieder in vollkommen 
fremden vorher nicht betretenem Gebiete. Noch mehrmals 
den Fluss überschreitend, erreichten wir kurz nach 8 Uhr 
bei Aufgang der Sonne das von Bambushecken eingefasste 
Dorf Teaka, das aus einigen von Chinesen bewohnten Hüt- 
ten bestand. Wir hatten also jetzt schon das eigentliche 
Waldgebiet verlassen und kamen nun in den Bereich, in 
welchem sich die chinesische Kultur ausgebreitet hat, denn 
das vom Flusse abgewonnene Terrain war hier künstlich 
gegen die vom Flusse mitgeführten Geröllmassen durch 
primitive, lose aufgerichtete Mauern geschützt, welche das 
mit Gemüse etc. bepflanzte Gärtchen umgaben. 

Nachdem wir Teaka verlassen hatten und das uns endlos 
scheinende Steinbett des Flusses hinter uns lag, betraten 
wir das Flussufer und erklommen auf einem ziemlich breiten 
Pfade einen 150 m. hohen Berg. Von dort aus sah man eine 
grössere chinesische Ansiedelung in der Tiefe und zu beiden 
Seiten des Weges von den Chinesen bebaute Aecker. Es 
war gegen V2 9 Uhr, als wir wieder zu dem Chip-Chip-Flusse 
hinabstiegen. Vor uns lag das chinesische Dorf Kuano, rings 
von einem Bambussaum umgeben. Alles geriet bei unserem 
Herannahen in Aufregung. Der Tautai kam uns entgegen 
und führte uns zunächst mitten in das Dorf zu einem Tem- 
pel, an dessen Thore rechts und links zwei fratzenhafte 
buddhistische Götzenbilder standen. Hier wurden wir zu- 
nächst von den Chinesen mit Thee bewirtet. Bald hatte 
sich eine neugierige Menge angesammelt, die uns erstaunt 
anstarrte, da sie ja hier alle ihre Feinde, Japaner, Wilde 



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und Europäer vereint vor sich sahen, Ueberall starrte es 
vor Schmutz und in der Nähe des Tempels prangte ein 
mächtiger Düngerhaufen. Obwohl hier die Wilden einen 
längeren Aufenthalt nehmen wollten, drängte ich zum 
Aufbruche. Direkt vor dem Dorfe gelangten wir wieder 
an das Flussbett. Hier hatte unser alter Freund, der Chip- 
Chip-Fluss, den Charakter eines wilden Gebirgstromes 
angenommen. Die schmutzig gefärbten Fluten schössen, 
da das Gefäll ein ziemlich starkes war, mit einer grossen 
Geschwindigkeit vorbei. In seiner Breite mochte er etwa 
100 m. messen, während das gesamte Flussbett auf 4-500 m. 
zu taxieren sein dürfte. Unsere Karawane geriet hier 
in grosse Verlegenheit, denn es gab weder Steg noch 
Boot, um das jenseitige Ufer zu erreichen. Die Chine- 
sen begegneten uns sehr unfreundlich und ihre Angabe, 
als wir sie um ein Boot zum Uebersetzen baten, dass sie 
keins hätten, schien weniger auf Wahrheit, als auf Böswil- 
ligkeit zu beruhen, da sie uns Verlegenheiten bereiten woll- 
ten Aber bald entdeckten wir auf der anderen Seite des 
Flusses ein Floss und schnell sprangen einige Eingeborene 
in die Fluten und hatten binnen kurzem das Fahrzeug 
herübergeholt. Da nun jedesmal nur drei Mann auf dasselbe 
"gingen, so dauerte das Uebersfctzen ziemlich lange. Die 
grösste Furcht hegte ich für unser Gepäck und meine 
photographischen Aufnahmen, denn da das Floss unter 
Wasser kam, so bestand eine grosse Gefahr, dass alles 
nass würde. Zwei Eingeborene schwammen neben dem 
Flosse her, während einer sich mit dem Gepäcke darauf 
setzte. Als letzter fuhr ich hinüber und war herzlich froh, 
dass alles ohne Unfall verlief. Am anderen Ufer wurde nun 
eine kleine Rast gemacht und dann setzten wir in dem sich 
immer mehr verbreiternden Flussbette, das im trockenen 
Teile einer kleinen Steinwüste glich, die Reise weiter fort. 
Es war der anstrengendste Tag der ganzen Tour. Die 
tropische Sonnenhitze steigerte sich in diesem Thale, des- 
sen Boden mit zahlereichen Steinen und trockenem Fluss- 
kies bedeckt war, bis zur Unträglichkeit. Auch die Wilden 
waren nur schwer vorwärts zu bringen und machten des 



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öfteren Halt; besonders die Lastträger hatten schwer zu 
leiden. Ich musste sie immer wieder von Neuem anfeuern 
und geriet auch mit meinem Begleiter, Herrn Greiner, in 
eine ärgerliche aufgeregte Stimmung, wobei ich nur das 
eine Ziel baldmöglicht nach Chip-Chip zu gelangen im 
Auge hatte. Endlich verliessen wir nach stundenlanger 
Wanderung das Flussbett. Ich hatte einen bedeutenden 
Vorsprung und war nur von zwei Wilden begleitet. Rechts 
und links des Weges erschienen jetzt zahlreiche Zucker- 
rohrfelder, zuweilen auch einzelne chinesische Gehöfte, 
deren Bewohner scheu und furchtsam bei unserem Anblicke 
entflohen. Besonders die Frauen waren es, die hier wie 
auch in Shantung eine grosse Angst vor einem Europäer 
haben, von denen ihnen erzählt wurde, dass sie kämen die 
Kinder zu ermorden, die Frauen zu notzüchtigen etc. 
Mittlerweile litten wir starken Durst, meine Begleiter 
suchten ihn sich durch Betelnusskauen zu vertreiben, ich 
selbst erfrischte mich an dem Marke eines frischen Zuck- 
errohres. Auch auf diesem Wege erlegte ich einige 
Wildtauben und gelangte um 2 V2 Uhr nach Chip-Chip, 
einer Stadt von 3000 Einwohnern mit einem japanischen 
Gendarmerie-Posten und japanischer Militärstation. 

Bei einem chinesischen Händler machte ich Rast und er- 
quickte mich zunächst mit einigen Flaschen Bier. Nach und 
nach kamen auch Herr Greiner und die übrigen Nach- 
zügler auf das äusserste erschöpft in Chip-Chip an. Wir 
waren jetzt etwa nur noch 420 m. über dem Meeresspiegel. 
Nachdem ich mich bei der Präfektur angemeldet hatte, zo- 
gen wir nach einem japanischem Hotel, während die Wil- 
den, da in diesem kein Platz mehr war, bei einem Kamp- 
ferhändler untergebracht wurden. Hier in Chip-Chip hat 
auch ein Deutscher, namens Mannich, längere Jahre ein 
sehr lukratives Kaufmannsgeschäft mit Chinesen wie mit 
Eingeborenen betrieben, gab aber bei Besetzung der Insel 
durch die Japaner seine Geschäfte auf. 

Im japanischen Hotel, wo wir übernachteten, erhielten 
wir den Besuch eines japanischen Gendarmerie-Offiziers, 
der uns über die jüngste Rebellion und sonstige Neuig- 



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keiten berichtete. So erfuhren wir unter anderem, dass in 
der auf dem Rückwege wieder zu passierenden Stadt 
Taichu, die Pest ausgebrochen sei. 

Freitag, den 30. Dezember. 

Nach erquickendem Schlafe verliessen wir schon Freitag 
früh Chip-Chip, nachdem uns zuvor der Gendarmerie-Offi- 
zier nochmals einen Besuch abgestattet hatte. Wir beka- 
men etwa 20 japanische Soldaten zur Bedeckung, denn wir 
befanden uns jetzt wieder im Rebellengebiet, ausserdem 
hatten wir einen Krankentransport aufgenommen, der 
nach dem Lazarett nach Linkipo abzuliefern war. Wir 
selbst benutzten chinesische Tragstühle. Diese sind ge- 
schlossen und gestatten nur nach vorne und an den 
rechts und links angebrachten OefFnungen einen Ausblick 
in's Freie. Die Waffe hatte ich immer schussbereit, denn 
es gehörte nicht zu den Seltenheiten, dass die Insurgenten 
sich gerade Krankentransporte zu Ueberfällen auswählten. 
So passierten wir nur wenige Minuten vor der Stadt ein 
kleines Gräberfeld, das durch ein grosses Denkmal ge- 
kennzeichnet war, weil dort erst kürzlich 14 japanische 
Gendarme von den Aufständischen niedergemacht worden 
sind. 

Den Chip Chip Fluss hatten wir inzwischen wieder 
erreicht und mussten ihn mehrere Male kreuzen, aber zum 
grossen Teile führte der Weg in seinem Bette entlang, das 
hier verschiedene Zuflüsse hat. An einer Stelle, wo der 
Fluss sehr breit wird, wurde in einem Boote tibergesetzt. 
Es war ein heisser, fast unerträglicher Tag. 3-4 km. vor 
Linkipo lagen zerstreut einzelne von Chinesen bewohnte 
Gehöfte, die von hohen Bambusstauden eingefasst waren. 
Knisternd stiessen sie mit den Aesten, auf denen zahlreiche 
Wildtauben besonders aber die oben geschilderten Papa- 
gaitauben sassen, gegeneinander. Wir erreichten Linkipo 
um 12 V2 Uhr und hatten eine Entfernung von 20 km. in 5 
Stunden zurückgelegt. Der Subpräfekt und die Wilden 
des Arisoastammes grüssten uns bei unserer Ankunft. 



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— 101 — 

Letzteren sowie meinen Begleitern den Tomboleuten gab 
ich ein grosses Freudenfest und verteilte unter sie die 
versprochenen Geschenke, die in roten und blauen Tuch- 
stoffen, Salz und sonstigen Bedarfsartikeln bestanden; Ibi 
erhielt ein rotes Tuch, während Hussung meine bis dahin 
selbst getragenen wollenen Strümpfe bekam. Ausserdem 
kaufte icji für sie mehrere Gefässe voll Schnaps und bald 
ertönte der Gesang ihrer melodischen Kriegslieder. Ich 
selbst nahm meine zurückgelassenen Wertgegenstände 
wieder in Empfang und nachdem ich einige photographi- 
sche Aufnahmen hatte entwickeln lassen, trafen wir Vorbe- 
reitungen zur Rückkehr nach Twatutia. Den Erfolg meiner 
Tour hatte ich bereits an den dortigen deutschen Konsul, 
Herrn v. Varchmin, telegraphisch gemeldet. Die Wilden 
tauschten sich bei den Chinesen für ihre mitgebrachten 
Schweine und Bananen Pulver und sonstige Artikel ein. 
Der Verkauf des Pulvers erfolgt natürlich ohne Wissen 
der japanischen Behörden, welche wie ja begreiflich den 
Eingeborenen möglichst allen Schiessbedarf vorenthalten. 
Die Wilden vom Arisoa-und Tombostamme waren noch 
bis tief in die Nacht hinein in der lebhaftesten Stimmung. 



Sonnabend, den 31. Dezember. 

Um 8 Uhr früh verliessen wir Linkipo, nachdem wir uns 
von den japanischen Beamten des Präfekturgebäudes, Ish- 
ida und Jezuda verabschiedet hatten. Diebeiden Stämme 
mit ihren Häuptlingen bildeten rechts und links des Weges 
Spalier. Alles verbeugte sich bis auf die.Erde und bat mich 
doch recht bald wiederzukommen. Wir hatten 5 Trag- 
stühle und etwa 12 japanische Soldaten als militärische Be- 
deckung. Den Chip-Chip Fluss mussten wir auch hier in 
einem Boote übersetzen und erreichten so gegen 10 Uhr 
Poatau, wo wir in unserem alten Absteigequartier ein- 
kehrten. Hier feierten wir Sylvester Abend und die letzte 
Flasche Sekt wurde auf ein glückliches neues Jahr ge- 
leert. 



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- 102 - 

Sonntag, den i. Januar 1899. 

Da wir uns schon sehr früh niedergelegt hatten, brachen 
wir in aller Frühe bei hellem Mondscheine auf. Es war 
ziemlich kühl. Ueberall herrschte vollkommene Ruhe, im 
Dorfe schien noch alles zu schlafen. So ging es an verschie- 
denen von undurchdringlichen Bambushecken umzäunten 
Gehöften vorbei. Auf einer hohen Bambusstaude, auf 
der bereits die aufgehende Sonne mit ihren goldenen 
Strahlen ruhte, sassen etwa ein Dutzend Wildtauben im 
tiefsten Schlafe. Zwei wohlgezielte Schüsse brachten 
mehrere davon herunter. Uet>erhaupt waren wir an die- 
sem Tage vom Jagdglücke besonders begünstigt. Zahl- 
reiche Bekassinen, Reisvögel und weisse Reiher wurden 
noch erlegt. 

In Taichu kehrten wir in einem japanischen Theehause 
ein, statteten dem englischen Missionar Dr. Moody einen 
Besuch ab und der in japanischem Polizeidienst stehende 
Russe Aminoff ersuchte uns, die Nacht bei ihm zuzubrin- 
gen, was wir bereitwilligst annahmen. Ganz in der Nähe 
des Hotels, wo wir unsere Sachen untergebracht hatten, 
herrschte die Pest. 

Montag den 2. Januar. 

In der Frühe brachen wir auf gemieteten Feldkarren nach 
Honlotun wieder auf. Es war kalt, windig und neblig. 

Dienstag, den 3. Januar. 

Am folgenden Tage ging es, da für unsere Tragstühle 
keine chinesischen Kulis zu haben waren und wir nur 
stellenweise die Feldbahn benutzen konnten, zu Fuss 
weiter. In dem Theehaus von Mali, wo wir auch auf dem 
Hinwege vor fast 4 Wochen übernachteten, nahmen wir 
wieder Quartier. Die Insurgenten der Gegend hatten sich 
offenbar noch nicht beruhigt denn immer wieder wurden 
neue Ueberfälle gemeldet. 



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- 108 - 

Mittwoch, den 4. Januar. 

In der Frühe brachen wir nach Teksham auf und wählten 
diesmal den Weg längst der Küste. Diese ist hier ohne 
jede Bucht, sehr flach und von einer sandigen Dünenzone 
begleitet. Grosse Dampfer können überhaupt nicht heran, 
und daher wird der Verkehr hier durch chinesische 
Dschunken und Fischerboote vermittelt. Es war gerade 
zur Zeit der Ebbe und der Strand mit Seesternen, Krebsen 
and Fischen übersät, die für die hier zahlreichen f ormosani- 
schen Reiher eine vorzügliche Mahlzeit abgaben. Des öfte- 
ren mussten wir Meeresarme durchwaten, wobei das Wasser 
unseren Kulis bis zur Brusthöhe ging. So passierten wir 
einzelne Fischerdörfer und erreichten bei Sonnenuntergang 
das uns von früher bekannte Teksham. 

Donnerstag, den 5. Januar. 

In der Frühe um 9 Uhr ging es auf dem Tragstuhl nach 
jener Bahnstation jenseits des Kuhangflusses, wo die Eisen- 
bahnbrücke durch einen Taifun zerstört worden war. 
Hier begegneten Wir auch dem Gendarmerie-Oberst von 
Taichu, der sich eingehend nach unserer Reise erkundigte. 
Die Eisenbahn brachte uns dann in einigen Stunden nach 
Taipeh und eine Stunde später befanden wir uns wieder im 
deutschen Konsulate, wo uns die Herren v. Varchmin, und 
Dr. Müller in der liebenswürdigsten Weise begrüssten. 
Ich wurde auch zum japanischen Generalgouverneur 
Baron Kodama eingeladen und erstattete ihm sowohl wie 
am darauffolgenden Tage auf dessen ausdrücklichen 
Wunsch dem japanischen Offiziersverein einen ausführli- 
chen Bericht über den Verlauf meiner Expedition. 



Wenn ich nun zum Scjhlusse meine Meinung abgeben 
soll, welchen Wert die Insel als Kolonie speziell für die 
jetzigen Besitzer die Japaner darstellt, so kann ich ihr nur 
eine günstige Aussicht prophezeien. Allerdings war man 



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anfangs anderer Ansicht. Vor 10 Jahren, als Formosa als 
Beute des japanisch-chinesischen Krieges ein Teil des 
japanischen Reiches wurde, waren ernstliche Bedenken 
wegen der wirtschaftlichen Zukunft der neuen Kolonie 
entstanden. Doch mit dem Niederwerfen der chinesischen 
Rebellen und Wiederherstellung geordneter Zustände ist 
es den Japanern gelungen die von Natur so reich ausge- 
stattete Insel als wertvollen Besitz ihrem Lande anzu- 
gliedern. 

Das japanische Volk hat nun gezeigt, dass es auch auf 
geistigem Gebiete fähig ist, seine eigenartige Kultur der 
europäischen teilweise anzupassen. Dies gilt besonders 
in militärischem und wirtschaftlichem Sinn. 

Die japanische zielbewusste Politik kennt keine Zersplit- 
terung seiner Kräfte nach aussen. Sie ist mehr intensiv und 
zeichnet sich besonders durch richtiges Erkennen und 
Festhalten der Hauptinteressen aus, die sie mit allen 
zur Verfügung stehenden Kräften zäh zu verteidigen weiss. 
Kurzum Japan hat bis jetzt den Beweis geliefert, dass auch 
eine asiatische Nation im Stande ist, nicht nur einen Staat 
im modernen Sinne zu bilden sondern auch zu verteidigen. 



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Inhaltsverzeichnis. 



SEITE 



1.) Die politische and wirtschaftliche Gestaltung Japans 5-6 

2.) .Die Bedeutung der Insel Formosa 7 

3.) Die Geographie des Landes.— Flächeuiuhalt.— Einwohner- 
zahl.— Geologie.— Die höchsten Erhebungen 8-10 

4.) Die Geschichte Formosas.— Malayen, Chinesen 605 n. Chr. 

— Sesshaftigkeit der Malayen and Aufhören des Zu- 
zuges. — Eroberungegelüste der Chinesen im 12. 
Jahrhundert.— Die Hakkas.— Chinesische un Japa- 
nische Piraten. — Ankunft der Europäer im 16. Jahr- 
hundert.— Die Japaner unter Iyeyasu.— Die Hollän- 
der im 17. Jahrhundert.— Die chinesischen Seeräuber 
unter Koxiuga.— Die Ohnmacht der holländisch-ost- 
iudischen Kompagnie.— Der Abzug der Holländer. 

— Formosa 1683 mit der Provinz Fukien unter einem 
chinesischen Vicekönig.— Formosa unter dem Ein- 
ttuss des europäischen und amerikanischen Handels. 

— Absichten der Franzosen.— Formosa 1885 als selb- 
stständige chinesische Provinz unter Liu-Ming- 
Chuan. — Formosa 1894/95 unter japanischer Herr- 
schaft 11-16 

5.) Meine Reise in das Innere der Insel.— Professor Dr. Hon- 
da's Expedition im Jahre 1896.— Die vergeblichen 
Versuche der Engländer Dodd und Pickering ins 
Innere der Insel einzudringen.— Meine Landung in 
Kilung.— Reise nach Twatutia.— Taipeh, jap. Taiho- 
ku.— Teksham.— Mali.— Houlotun.— Chonghoa.— 
Poatau.— Linkipo.— Die Eingeborenen vom Arisoa- 
stamm im Präfekturgebäude 17-42 

6.) Die Vorberge des Nütakayama ( Mount Morrison ). — Auf- 
bruch am 15. Dezember 1898.— Die Dörfer Sintsia- 
Taisuikutsu.— Die Kampferindustrie. -In der Pepu- 
raschlucht.— Durchquerung des Tinlaukeflusses.— 
Malariakrauke.— Wildenansiedlung Sotkuram.— Na- 
makama. — Horsia.— Tombo 42-58 



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7.) Die Besteigung des Nif takayama.— Tropische Vegetation. 
— Der Tombo und Tanofluss im Urwald.— Patt ak - 
wanwasserscheide.— Im Flussthal des Paffasassuu.— 
Der Toaronshiastamm.— Schlechtes Wetter.— Rück- 
kehr nach Tombo.— Besuch beim Dorfältesten in 
Saigo.— Wiederaufbruch von Tombo mit 5 Eingebo- 
renen. - Eine Weihnachtsfeier im Urwald.— Die ei- 
gentliche Besteigung.— Die Berge: Ninaff, Cincan, 
Hassumbuto, Heismat, Hatuk, Manmngo, Hattatau, 
Tiboan, Cisoque.— Die Saitospitze und Auffindung 
der japanischen Flagge.— Auf der höchsten Erhe- 
bung des Niitakavama 59 - 92 

8.) Der Abstieg vom Niitakayama und die Rückreise nach 

Twatutia über Tombo Chip-Chip, Linkipo, etc., etc.. 93-103 

9.) Die Zukunft Formosas unter japanischer Herrschaft 104 



Anhang. 

1 Karte mit Reiseroute. 



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